25 - Von der Gerechtigkeit

 

1. Die Gerechtigkeit verbietet, das Recht eines anderen zu verletzen, und fordert, dass wir jedem geben, was ihm gebührt. Somit gehört es auch zur Gerechtigkeit, dass wir Gottes Ehre nicht angreifen und dem Herrn den Dienst leisten, der ihm zukommt. Doch denkt man bei der Tugend der Gerechtigkeit vornehmlich an das Verhalten den Mitmenschen gegenüber, und zwar an erster Stelle, soweit das Eigentumsrecht in Betracht kommt. Zwei Gebote hat Gott gegeben, um das Eigentum zu schützen, das siebente und das zehnte, und doch ist die Welt voll von Ungerechtigkeit. Auch manche Christen lassen sich betören von den falschen Grundsätzen der Weltkinder und halten für Geschäftsklugheit, was im Grunde doch Unehrlichkeit und Betrug ist. Nicht alles, was vor dem weltlichen Strafgesetz frei ausgeht, ist auch gerecht und tadellos vor Gott. Wenn die Habsucht dein Herz verführen will, einen ungerechten Vorteil zu suchen, dann bedenke, dass fremdes Gut keinen Segen bringt, und dass es dein Gewissen belasten wird, wenn das Gericht Gottes naht. Lieber arm in strenger Rechtlichkeit, als reich in Ungerechtigkeit. Denn „was nützt es dem Menschen, wenn er auch die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele!“

 

2. Die Gerechtigkeit verlangt aber mehr von uns, als dass wir keinerlei Betrug üben; wir müssen dem Nächsten auch geben, was ihm zukommt. Es ist ungerecht, einen kärglichen Lohn zu zahlen, auch wenn der andere notgedrungen damit zufrieden ist. Es ist ungerecht, die Bezahlung für geleistete Dienste ungebührlich lange hinauszuschieben. Es ist ungerecht, leichtsinnig Schulden zu machen oder seiner Familie den notwendigen Unterhalt zu kürzen durch Verschwendung. Es ist ungerecht, im Dienst eines anderen träge zu sein und doch den vollen Lohn zu nehmen. Wenn du irgendwie einem anderen vorenthältst, worauf er Anspruch hat, so handelst du ungerecht. Und entschuldige dich niemals mit der Ausrede, es seien nur Kleinigkeiten, denn Kleinigkeiten summen sich auf, und das Kleinste führt zum Großen.

 

3. Die Gerechtigkeit fordert endlich auch, dass wir die Ehre des Nächsten achten und uns vor Argwohn und falschem Urteil hüten. Sie fordert, dass die Vorgesetzten ihre Untergebenen nicht launenhaft und nicht parteiisch behandeln, sondern nach Verdienst, dass sie nicht mehr fordern, als sie zu fordern berechtigt sind, und dass die Untergebenen den schuldigen Gehorsam in Ehrfurcht leisten. Das Gebiet der Gerechtigkeit ist weit und umfassend. Erwäge wohl, ob du dich nicht gegen diese Tugend verfehlt hast.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä die Tugend der Gerechtigkeit zu erlangen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns einen gerechten Sinn verleihen wolle.

 

Gebet

 

Heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, du hast uns die Sonne der Gerechtigkeit gebracht. Siehe, wie die Welt erfüllt ist von Ungerechtigkeit aller Art. Wir aber wollen lieber auf alles verzichten, als unsere Seele mit Ungerechtigkeit beflecken. Erbitte uns die Gnade, dass wir diesem Vorsatz immer treu bleiben. Amen.