5 - Von der Hölle

 

1. Von allen Wahrheiten unseres heiligen Glaubens ist keine so furchtbar wie die Lehre von der Hölle. Wenn wir uns in dies schreckliche Geheimnis vertiefen, so fühlen wir unser Herz im Innersten erschüttert; ja, unser zitterndes Herz möchte sich fast sträuben gegen die Annahme dieser entsetzlichen Wahrheit. Aber wenn wir dem Sohn Gottes glauben wollen, dann können wir nicht zweifeln, dass es eine Hölle gibt, denn zu wiederholten Malen hat er es mit klaren Worten gesagt. Das Schrecklichste an der Hölle ist ihre Ewigkeit, die endlose Dauer der Verdammnis, die alle Hoffnung für immer ausschließt. Auch hieran können wir nicht zweifeln, denn der Heiland spricht von der ewigen Pein, er sagt, dass dort unten der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“, so sprichst du, o Herr, und wir neigen uns in demütigem Glauben. Nun täusche dich nicht selber, meine Seele, mit falschen Beruhigungen! Neben der unendlichen Güte Gottes steht seine furchtbare Gerechtigkeit; sie ist heute noch dieselbe wie damals, als sie die gefallenen Engel mit feurigen Ketten in den Abgrund zog.

 

2. Was ist die Hölle? Sie ist der Ort und der Zustand der Verdammnis, und in dieser Verdammnis befinden sich die Teufel und jene Menschen, die in der Todsünde sterben. Niemand ist dort ohne seine Schuld, jeder Verdammte hat sich selbst in die Hölle hineingebracht, und dies quälende Bewusstsein ist ein Teil der Strafe, es ist der nagende Wurm, der nicht stirbt. Wenn der Heiland vom Feuer spricht und von der großen Pein in der Flamme und vom Heulen und Zähneknirschen, so hat er uns die Qual, die die Verdammten erleiden, deutlich vor Augen gestellt. Über die Natur des Höllenfeuers nachzugrübeln, hat keinen Zweck, denn wir haben keine Vorstellung von den jenseitigen Dingen. Soviel wissen wir, dass die Hölle unsagbare Qual und entsetzlichen Jammer in ihrem finsteren Schoß birgt, und das zu wissen ist genug.

 

3. Und doch ist das alles noch nicht die eigentliche Hölle, noch nicht die schwerste Strafe, noch nicht das furchtbarste Leid. Die verdammte Seele hat Gott verloren. In der Todsünde hat die verdammte Seele sich von Gott losgesagt, und nun ist sie von ihm losgetrennt, verbannt und verstoßen und damit dem ewigen Unfrieden, dem ewig ungestillten Durst nach Glück, dem ewigen Tod verfallen!

Willst du die Tiefe der Hölle messen? Die Tiefe heißt Verlust Gottes. Willst du die Länge und Breite der Hölle messen? Sie heißt Ewigkeit. Willst du wissen, in welcher Verfassung die Verdammten sich befinden? Dafür gibt es nur ein Wort, dessen ganze Schwere kein Menschenherz auf Erden wägen kann: es heißt Verzweiflung.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä vor der ewigen Verdammnis bewahrt zu bleiben.

Zusatz: . . . Jesus, der uns von der ewigen Verdammnis erretten wolle.

 

Gebet

 

O Maria, du bist die Mutter dessen, der die Schlüssel des Todes und der Hölle hat. Gedenke, dass dein geliebtester Sohn in schmerzlicher Qual am Kreuz gestorben ist, um uns von der ewigen Verdammnis zu erretten. Lass nicht zu, dass sein kostbares Blut an uns verlorengehe. Lass nicht zu, dass der böse Feind die Seelen deiner Kinder ins Verderben stürze, sondern komm uns zu Hilfe mit deiner mächtigen Fürbitte. Amen.