1 - Von der Pilgerfahrt auf Erden

 

1. Wir haben keine bleibende Stätte hier auf Erden. Unser Wohnen ist ein Wohnen in Zelten, die bald abgebrochen werden, unser ganzes Leben ist eine Pilgerfahrt. Wir wandern und stehen niemals still. Mit jedem Tag, mit jeder Stunde gehen wir dem Tod entgegen. Erst der Tod bringt uns Ruhe. Wenn die Seele den Leib verlässt, dann legt sie den Wanderstab nieder, streift die Pilgerschuhe ab und geht über die Schwelle der Ewigkeit, hinüber zu Gott, von dem sie gekommen ist.

 

2. Die Welt ist eitel. An vielen Dingen gehen wir vorüber auf unserer Pilgerfahrt, durch Freuden und Leiden gehen wir hindurch, und nichts hat Bestand. Manches lockt uns an mit buntem Schein. Erdengut, Ehre und Lust winken am Weg und verheißen uns Glück und Freude, aber wenn wir nach ihnen greifen, schwinden sie dahin wie Rauch. Alles ist eitel und vergänglich, und wenn wir unser Herz an die irdischen Dinge hängen, stehen wir zuletzt mit leeren Händen da und sind elend betrogen. Und wenn die Welt mit ihren Gütern auch Bestand hätte, so könnte sie doch unser Herz nicht befriedigen. Die ganze Welt genügt nicht, um den Durst nach Glückseligkeit zu löschen, der in unserer Seele brennt. Wir sind Fremdlinge auf dieser Welt und nicht für sie geschaffen. „Unser Herz bleibt unruhig, bis es ruht in dir, o Gott“, sagt der heilige Augustinus, und die heilige Theresia sagt: „Nur Gott allein genügt“.

 

3. Der Himmel ist unsere Heimat. Von Gott ist unsere Seele ausgegangen, er hat sie erschaffen, er hat sie geadelt durch die Gnade der Gotteskindschaft und ihr das Bürgerrecht des Himmels verliehen.

Schau nur, christliche Seele, was für ein herrliches Ziel dir winkt am Ende deiner Pilgerfahrt. Wäre es nicht dumm, wenn du dieses Ziel vergessen wolltest, um auf Erden den Frieden zu suchen, der hier nicht zu finden ist? Wäre es nicht dumm, wenn du den geraden Weg verlassen wolltest, um falschen Traumbildern und flüchtigen Schatten nachzujagen, die dich in die Irre führen? Gott hat dir den Weg bezeichnet durch seine heiligen Gebote, er hat dir ein Licht angezündet im wahren Glauben: so folge diesem Licht und bleibe auf dem rechten Weg, damit du dein ewiges Ziel nicht verfehlst. Maria steht an der Tür des himmlischen Vaterhauses und winkt mit ihren mütterlichen Händen. So viele ihrer treuen Kinder hat sie schon um sich versammelt. Mach dich auf den Weg, denn mit gutem Willen und redlichem Streben wirst auch du zu ihr gelangen, denn Gottes Gnade geht dir zur Seite auf deiner Pilgerfahrt durchs Leben.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä unsere ewige Heimat zu erreichen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns zur ewigen Heimat führen wolle!

 

Gebet

 

O Maria, liebe Mutter, du bist längst glorreich eingegangen in die ewige Heimat des Himmels, wo unvergängliche Freude wohnt. Blicke gnädig herab auf deine Kinder, die noch auf Erden pilgern. Lass nicht zu, dass wir vom rechten Weg abirren, sondern erflehe uns die Gnade, dass wir unser ewiges Ziel fest im Auge behalten. Stütze uns, liebe Mutter, wenn unsere Kraft nachlassen will, und führe uns an deiner milden Hand durch alle Hindernisse und Gefahren aus dieser Verbannung in das himmlische Vaterhaus. Amen.