11 - Von der heiligen Beichte

 

1. Außer dem Gebet sind uns auch die heiligen Sakramente als wirksame und kräftige Gnadenmittel gegeben, und unter den Sakramenten gibt es zwei, die für besonderer Bedeutung sind für das christliche Leben: die Sakramente der Buße und des Altares. Ist die Taufe das erste und notwendigste Sakrament, so sind die Beichte und die Kommunion diejenigen, die uns durch das ganze Leben begleiten, die wir immer wieder empfangen sollen. Wie die Taufe uns die Erlösungsgnade zuerst zuwendet und uns aufnimmt in die heilige Gemeinschaft Christi, so soll das Sakrament der Buße die nach der Taufe begangenen Sünden hinwegnehmen und uns die Gnade wiedergegeben, wenn wir sie durch eigene Schuld verloren haben. Wie viele Seelen würden trotz des Erlösungstodes Christi Schiffbruch leiden, wenn die unendliche Erbarmung des Herrn uns dieses trost- und gnadenreiche Sakrament nicht gegeben hätte.

 

2. Christus hat im Bußsakrament einen Richterstuhl aufgestellt, indem er dem Priester Auftrag und Vollmacht gegeben hat, die Sünden nachzulassen oder zu behalten, je nach dem Urteilüber den Seelenzustand des Sünders. Daher muss der Sünder seinen Seelenzustand offenbaren, er muss dem Priester seine Sünden bekennen. Diese Selbstanklage ist eine Strafe und Sühne für die begangene Schuld, aber sie ist mehr; nicht so sehr die Gerechtigkeit, als vielmehr die Erbarmung Gottes hat die Beichte angeordnet. Die Beichte ist eine trostreiche Erleichterung des beladenen Gewissens, ein treffliches Mittel der Selbsterkenntnis, eine heilsame Verdemütigung des Menschen, ein starker Zaun gegen die Sünde, eine gute Gelegenheit, den Rat des Seelenarztes einzuholen. Darum, christliche Seele, betrachte die Beichte nicht widerwillig als eine Last und ein Joch, sondern als Gnade und Wohltat. Nicht umsonst hat der Herr das Bußsakrament am frohen Auferstehungstag eingesetzt: es ist mitsamt der Anklage, die es fordert, ein Ostergeschenk an die Seinen.

 

3. Das Sakrament der Buße kann uns nichts nützen, wenn wir der Gnade einen Riegel vorschieben. Vereitele nicht die Wirkung dieses heiligen Sakramentes durch Unaufrichtigkeit in der Anklage, so dass das Heilmittel der Seele sich in Gift und der Segen sich in Fluch verwandelt. Vor allem bedenke wohl, dass es ohne wahre Reue keine Sündenvergebung gibt. Die Beichte soll dich zur Besserung führen. „Geh hin“, sagt der Herr, „und sündige fernerhin nicht wieder“. Sei eifrig im Empfang dieses heiligen Sakramentes, dann kannst du umso mehr hoffen, dass dir auch in deiner letzten Stunde die Gnade gewährt wird, eine gute, aufrichtige, reumütige Beichte abzulegen. Welch ein Trost wird dir dann das Wort des Priesters sein, wenn er im Angesicht des ewigen Gerichtes kraft der ihm von Gott verliehenen Vollmacht spricht: Ego te absolvo – ich spreche dich los von deinen Sünden!

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä die Gnade einer öfteren und würdigen Beichte zu erlangen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns die Gnade geben wolle, oft und würdig zu beichten.

 

Gebet

 

Allerreinste Jungfrau Maria, niemals in deinem ganzen Leben hat auch nur ein Schatten der Sünde deine Seele berührt. Wir aber, deine schwachen Kinder, haben vielfach gefehlt und seufzen in der Bedrängnis unseres schuldbeladenen Gewissens. Wir wollen gern das große Gnadenmittel des Bußsakramentes gebrauchen, das dein Sohn uns geschenkt hat. Du aber erbitte uns den Beistand des Heiligen Geistes, dass wir unsere Sünden recht erkennen, herzlich bereuen und aufrichtig beichten, damit wir Vergebung finden vor Gott. Amen.