21 - Von der Hoffnung

 

1. Gott hat dem Christen auf seiner Pilgerfahrt durchs Leben einen Engel zur Seite gegeben, der ihn stützen und aufrichten soll, wenn er müde und mutlos wird unter den Beschwerden und Leiden der Wanderung. Das ist der freundliche Engel der Hoffnung, der unsern Blick nach oben lenkt, zu dem herrlichen Ziel, das auf uns wartet. Drei Dinge sind es, die uns vor allem beschweren und drücken. Zunächst unsere Sündenschuld, dies große Hindernis auf dem Weg zum Himmel. Die Hoffnung versichert uns, dass Gott dem reumütigen Sünder verzeiht. Sodann unsere Schwäche und Unzulänglichkeit, die es uns unmöglich macht, aus eigener Kraft das ewige Ziel zu erreichen. Die Hoffnung bürgt uns für die Hilfe der göttlichen Gnade. Endlich die Armseligkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen, die wir täglich vor Augen sehen. Die Hoffnung weist uns hin auf die selige Ewigkeit bei Gott. Die Hoffnung ist eine göttliche Tugend, auf Gott und auf das Göttliche ist sie gerichtet; aber sie beruhigt und tröstet uns auch in den zeitlichen Sorgen und Leiden. Der gütige Vater wird uns das Kleine nicht versagen, da er uns das Große zu geben geneigt ist, es sei denn, dass die Gewährung eines zeitlichen Gutes unserm ewigen Wohl hinderlich wäre.

 

2. Unsere Hoffnung hat ein festes Fundament. Dies Fundament ist Gottes Treue, Allmacht und Güte. Gott hat uns seine Verheißungen gegeben, und er ist getreu und hält sein Wort. Er ist mächtig genug, um alles erfüllen zu können, was er versprochen hat. Und was hat der Herr nicht getan für uns? Hat er nicht zuletzt seinen eigenen, eingeborenen Sohn in die Welt gesandt und in den Tod gegeben, damit alle, die an ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben? Wie könnten wir nach einem solchen Beweis der Liebe noch kleinmütig und verzagt sein! Der Sohn Gottes ist vom Himmel zu uns gekommen als unser Erlöser. Er ist unsere Hoffnung. Nicht auf unsere armseligen Verdienste gründen wir unser Vertrauen, sondern auf sein heiliges Kreuz. Da kann unsere Hoffnung nicht zuschanden werden.

 

3. In zweifacher Weise können wir uns gegen die Hoffnung verfehlen, durch zu wenig und durch zu viel. Wir dürfen nicht verzagen und mutlos werden oder gar verzweifeln. Mag kommen, was da will, Gott, unsere Hilfe, ist stärker als die ganze Welt und als die Hölle. Darum muss unsere Hoffnung unerschütterlich fest stehen. Wir dürfen aber auch nicht vermessen sein, indem wir die Buße aufschieben oder die Langmut Gottes zum Anlass der Sünde nehmen. „Gott lässt seiner nicht spotten.“ In der Mitte zwischen Misstrauen und Vermessenheit steht die Hoffnung, die mit der kindlichen Furcht Gottes und mit der Seelenruhe in unzertrennlichem Bund lebt.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä in der Hoffnung bestärkt zu werden.

Zusatz: . . . Jesus, der unsere Hoffnung stärken wolle.

 

Gebet

 

Maria, du Mutter der guten Hoffnung, du hast uns den gebracht, auf dem all unsere Hoffnung beruht, unsern Erlöser Jesus Christus. Du bist niemals wankend geworden in deinem festen Vertrauen auf Gott bei allen Leiden und Beschwerden deines vielgeprüften Lebens. Erbitte auch uns eine zuversichtliche Hoffnung und lass uns in dieser Hoffnung nicht zuschanden werden, sondern erlangen, was wir hoffen. Amen.