3 - Vom Gericht nach dem Tod

 

1. „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, und darauf folgt das Gericht.“ Wenn der Tod nichts anderes wäre als die Trennung von diesem Leben und von dieser Welt, so möchte er wohl manchem schon hart erscheinen; aber der eigentliche Ernst des Todes liegt nicht in dem, was wir verlassen müssen, sondern in dem, was auf uns wartet. Das ist das Gericht, das der gerechte Gott über die Seele abhält, sobald sie vom Leib geschieden ist, um ihr zu vergelten, wie sie es verdient hat. Darum ist der Tod so furchtbar ernst, weil das Gericht Gottes hinter ihm steht.

 

2. „Nicht von einem irdischen Gerichtstag werde ich gerichtet werden, sondern der mich richtet, ist der Herr.“ Er ist der heilige Gott, vor dem selbst die Engel zittern, den die Heilige Schrift ein verzehrendes Feuer nennt in seinem Zorn. Es ist der allwissende Gott, dessen Augen heller sind als die Sonne und durchdringen bis auf den Grund des Herzens, bis in die geheimsten Absichten und Gedanken. Es ist der Gerechte Gott, der kein Ansehen der Person kennt, der selbst der sündigen Engel nicht geschont, sondern sie mit feurigen Ketten in den Abgrund der Hölle hinabgezogen hat. Da gibt es keine Entschuldigung, keine Beschönigung, keine Verheimlichung; das ganze Leben vom ersten bis zum letzten Augenblick liegt offen da und wird gemessen mit dem untrüglichen und unverrückbaren Maßstab des göttlichen Gesetzes. O meine Seele, wie wirst du bestehen mit deinen Werken, die so oft dem Willen Gottes widersprochen haben und die im Guten so mangelhaft gewesen sind? Wie wirst du bestehen, wenn von jedem unnützen Wort Rechenschaft gefordert wird? Wie wirst du bestehen, wenn das Herz geprüft wird in allen seinen Gedanken und Begierden, in seinen Absichten und Neigungen? So manches hält das Gewissen mir vor, so manches habe ich längst vergessen oder nie beachtet, und alles wird ins Gericht gebracht.

 

3. Das Gericht ist kurz, es hat kein Zeugenverhör und keine Untersuchung. Das Urteil ist unwiderruflich. Du wirst es hören und kein Wort der Entgegnung wagen. „Er aber verstummte“, so sagt das Evangelium von dem Gast, der ohne das hochzeitliche Kleid zum Königsmahl gekommen war. Wie wird das Urteil lauten? Entweder: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn“ – oder: „Hinweg von mir, du Verfluchter, in das ewige Feuer!“ Entweder hebt der Urteilsspruch dich hinauf in die unendliche Wonne und Seligkeit des Himmels, oder er stößt dich hinab in den Abgrund der Verdammnis. Das Dritte, die Buße im Reinigungsort, ist nur ein Durchgang, ein schmerzlicher Umweg zum Himmel, und so bleibt es auf jeden Fall bei dem furchtbaren Entweder – Oder. Entweder gerettet oder verloren!

Wenn der Gedanke an den strengen Richter deine Seele erschreckt und erschüttert, so wende dich an Maria, die Zuflucht der Sünder. Aber beherzige wohl: wenn das Gericht gekommen ist, dann ist es zu spät, dann muss auch Maria schweigen. Wende dich jetzt zu ihr, dass sie dir die Gnade einer wahren Buße und Lebensbesserung erbitte.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä ein gnädiges Gericht zu erlangen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns dereinst ein gnädiger Richter sein wolle.

 

Gebet

 

O Maria, unsere Hoffnung, ich zittere vor dem strengen Gericht Gottes im Bewusstsein meiner Sündhaftigkeit. Zu dir nehme ich meine Zuflucht, du wirst dein armes Kind nicht verstoßen, sondern dich meiner in Gnaden annehmen. Bitte für mich, dass der Herr meine Seele erleuchte zur Erkenntnis meiner Schuld, dass er mein Herz bewege zu wahrer Reue und meinen Willen stärke zu einer gründlichen Besserung, damit ich dereinst bestehen möge, wenn ich zur Rechenschaft gezogen werde. O Maria, du Zuflucht der Sünder, verhilf uns zu einem gnädigen Gericht. Amen.