13 - Vom Anhören des Wortes Gottes

 

1. „Maria aber bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen.“ Es ist ein hohes Lob, das der Heilige Geist der allerseligsten Jungfrau mit diesem Wort spendet, und es ist ein wichtiges Beispiel, das unsere Mutter Maria uns gegeben hat. Das Wort Gottes ist, wie unser Heiland selber sagt, ein Same, der hundertfältige Frucht bringt, wenn er guten Boden findet. Und weiter sagt der Herr: „Wer aus Gott ist, hört Gottes Wort; darum hört ihr Gottes Wort nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.“ Das eifrige und andächtige Anhören des göttlichen Wortes ist ein wichtiges Mittel zur Vollkommenheit und ein Zeichen christlicher Gesinnung und guter Seelenverfassung.

 

2. Wenn der Sohn Gottes selber vom Himmel kommt, um uns die ewige Wahrheit zu verkünden und so Licht zu bringen in die Finsternis, müssen wir dann nicht mit dankbarem Eifer uns zu ihm drängen, um sein Wort zu hören? Der Sohn Gottes hat noch nicht aufgehört, zu den Menschen zu reden, und wird nicht aufhören bis ans Ende der Welt, denn er spricht zu den Aposteln und ihren Nachfolgern: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ – und weiterhin: „Wer euch hört, der hört mich; wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Er hat seiner Kirche den Heiligen Geist gesandt, der sie einführen soll in alle Wahrheit, und unter dem Beistand des Heiligen Geistes wird vom kirchlichen Lehramt das Wort Gottes verkündigt in Predigt und Unterricht. Wohl sind es Menschen, die da reden, und sie reden nach menschlicher Art und in menschlicher Schwachheit; aber sie sind von Gott gesandt und verkünden nicht eigene Weisheit, sondern die ewige Wahrheit, die Gott der Herr geoffenbart und seiner Kirche anvertraut hat.

 

3. Wie kommt es, meine Seele, dass du so wenig Frucht gewinnst aus dem Anhören des Wortes Gottes, da doch der Herr selbst gesagt hat, dass es hundertfältige Frucht bringe? Nicht an dem Samen liegt es, der ausgestreut wird; es ist das ewig gültige und gnadenreiche Gotteswort. Nicht an dem Priester liegt es, der es dir verkündigt, mag er auch die Gabe der Rede nur in geringem Maß besitzen; jede Predigt, auch die schwächste und die bescheidenste in der Ausführung, streut guten Samen aus, der Frucht bringen kann in einem guten, willigen Herzen. An dir liegt es, ob der Same gedeiht und Frucht bringt. Höre das Wort Gottes nicht so, wie du Menschenwort anhörst, mit Neugier und kritischem Sinn oder mit Gleichgültigkeit, sondern höre es mit Andacht und Ehrfurcht, in demütigem Gehorsam. Erwäge, wie du es anwenden kannst auf dein Leben. Bewahre es in deinem Herzen, wie es Maria getan hat. Hüte es wie einen köstlichen Schatz, den man liebt und oft betrachtet. So wird das Wort Gottes auch in dir Leben gewinnen und hundertfältige Frucht bringen.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, damit die Fürbitte Mariä das Anhören des göttlichen Wortes in uns fruchtbar mache.

Zusatz: . . . Jesus, der unser Herz mit Ehrfurcht dem Wort Gottes gegenüber erfüllen wolle.

 

Gebet

 

Maria, du Sitz der Weisheit, du Lehrerin der Apostel und Evangelisten, du hast uns im göttlichen Heiland die ewige Wahrheit selbst gebracht. Erflehe uns einen demütigen Glauben und einen willigen Gehorsam dem Wort Gottes gegenüber, das die heilige Kirche bewahrt und verkündigt, damit dieser göttliche Same in uns nicht verlorengehe, sondern hundertfältige Frucht bringe. Amen.