30 - Von der Herzensreinheit

 

1. „O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanz! Unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und den Menschen ist es in Ehren.“ So rühmt der Heilige Geist die Tugend der Keuschheit. Diese Tugend erhebt den Menschen über seine sinnliche Natur und macht ihn den reinen Geistern ähnlich, so dass er mit Recht „ein Engel im Fleisch“ genannt wird. Wie Gott durch das Strafgericht über Sodom und Gomorra und durch die Sündflut gezeigt hat, dass er das Laster der Unkeuschheit besonders verabscheut, so hat er auch deutlich zu erkennen gegeben, dass er die Tugend der Keuschheit besonders liebt. Die reinste Jungfrau wurde auserwählt zur Mutter des Sohnes Gottes und der keusche Joseph zu seinem Pflegevater; den unschuldigen Johannes würdigte der Herr seiner Freundschaft, und von den jungfräulichen Seelen heißt es in der Geheimen Offenbarung, dass sie dem Lamm überall folgen und ein neues Lied singen, das niemand sonst singen kann.

 

2. Auch von den Menschen wird diese Tugend geliebt und bewundert. Sie verleiht dem ganzen Wesen unbewusste Würde und liebliche Anmut, gleich dem zarten Schmelz, der eine unberührte Lilie schmückt. Selbst ein verdorbenes Herz neigt sich in unwillkürlicher Huldigung vor dem Glanz der Keuschheit. Eine reine Seele trägt in sich den kostbaren Schatz des Gottesfriedens, der mehr wert ist als alle Reichtümer der Welt. Wie sie die Verheißung hat, dass sie dereinst Gott anschauen soll, so dringt sie schon in diesem Leben mit tieferem Verständnis und mit innigerer Liebe in die göttliche Wahrheit ein. Die Reinheit macht das Herz auch stark im Kampf, denn über ein reines Herz hat der Teufel keine Gewalt. Jeder Mensch soll diese Tugend üben und sorgfältig bewahren, doch fordert die Keuschheit nicht in jedem Stand dasselbe. Eine andere ist die jungfräuliche, eine andere die eheliche Keuschheit; der Beruf aber zu diesem oder zu jenem Stand kommt von Gott.

 

3. So kostbar und so schön die Tugend der Keuschheit ist, so schwer ist es, sie ganz unberührt und vollkommen zu bewahren. Es drohen nicht nur viele Gefahren von außen, böses Beispiel und Verführung, sondern im Herzen selber lauert die böse Lust als der schlimmste Feind. Darum bedarf es einer beständigen Wachsamkeit, einer fortwährenden Kampfbereitschaft, einer großen Selbstbeherrschung und vor allem auch eines inständigen Gebetes. Glaube aber nicht, christliche Seele, dass es unmöglich sei, diese Tugenden zu üben, und lass dich nicht betören von falschen verführerischen Lehren. Wir können alles in dem, der uns stärkt. Wenn wir auch noch so unwürdig sind, so wollen wir doch mit großem Vertrauen aufblicken zu Maria, unserer Mutter, unserem Vorbild und unserer Helferin. Sie wird uns im Kampf beistehen mit ihrer Fürbitte.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä in allen Versuchungen gegen die heilige Reinheit gestärkt zu werden.

Zusatz: . . . Jesus, der ein reines Herz in uns erschaffen wolle.

 

Gebet

 

Maria, du Königin der Jungfrauen, du reine, unbefleckte Lilie im himmlischen Paradies, sei uns in Liebe und Bewunderung gegrüßt. Vor der Schönheit deiner keuschen Seele neigen sich die Engel, und der heilige dreieinige Gott hat an dir ein vollkommenes Wohlgefallen. Auch uns ist in der heiligen Taufe das weiße Kleid der Unschuld geschenkt worden, das wir unbefleckt vor den Richterstuhl Christi tragen sollen. Aber wir haben es nicht treu bewahrt, und wir müssen fürchten, dass wir es gänzlich verlieren im schweren Kampf des Lebens. So komm uns doch zu Hilfe mit deinem Gebet! Auf dich setzen wir unser Vertrauen, nimm dich deiner Kinder gütig an. Amen.