18 - Von den Versuchungen

 

1. „Ich habe gekämpft den guten Kampf“, so spricht der Apostel Paulus, der sich über schwere und anhaltende Versuchungen beklagen konnte, aber auch die Wahrheit des Gotteswortes erfahren hat: „Es genügt dir meine Gnade.“ Versuchungen kommen über jeden Menschen, und auch du, meine Seele, wirst von ihnen nicht verschont bleiben. Auch du hast die Aufgabe, den guten Kampf zu kämpfen, und du kannst und wirst siegen, wenn du wachsam bist und die Waffen des Heils ergreifst. Fürchte dich nicht und werde nicht mutlos, auch nicht, wenn die Versuchungen anhalten. „Gott ist getreu,“ sagt der Apostel, „er wird euch nicht über eure Kräfte versuchen lassen.“ Versuchungen sind keine Sünde, solange wir nicht einwilligen; sie sind freilich eine Gefahr zur Sünde, sie sind aber auch eine Gelegenheit zur Tugend. Im Kampf soll die Tugend sich bewähren und erstarken.

 

2. Es gibt verschiedene Quellen für die Versuchungen. Sie kommen zum Teil von unseren Mitmenschen, die uns, bewusst oder unbewusst, durch böses Beispiel Ärgernis geben oder gar absichtlich darauf ausgehen, uns zur Sünde zu verführen. Die Welt ist voll von Bosheit; Unerfahrene und Unbesonnene können leicht straucheln. Auch der böse Feind bereitet uns Versuchungen. Er geht nach den Worten der Heiligen Schrift umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne. Die größte Gefahr aber liegt in uns selber. Durch den Sündenfall ist die menschliche Natur verderbt worden, sie ist zum Bösen geneigt von Jugend auf. Die dreifache böse Lust schlummert in unserem Herzen wie ein giftiges Unkraut, das bald aufgeht und den guten Weizen überwuchern möchte. So werden wir von drei Seiten angegriffen und haben nach drei Seiten hin zu kämpfen: um uns, unter uns und in uns sind Feinde.

 

3. Dennoch sollen wir nicht mutlos werden. Der böse Feind und seine Helfershelfer können uns nicht zur Sünde zwingen; unser Wille ist frei, und kein Geschöpf kann unsere innere Freiheit aufheben. Solange die Versuchung äußerlich bleibt, hat sie noch keine große Gefahr. Erst wenn in uns selber der Feind sich erhebt, wenn die böse Lust sich regt, dann ist große Gefahr. Aber auch über diesen Feind können wir siegen, denn Gottes Gnade steht uns zur Seite. Wie sollen wir uns in den Versuchungen verhalten? Der Herr gibt uns zwei Mittel an: „Wachet und betet!“ Wir müssen wachen, dass die Gefahr zur Sünde uns nicht überrasche, wachen über unseren Verkehr, über unsere Sinne und insbesondere über unser Herz und seine Regungen. Im Anfang ist die Versuchung leicht zurückzuweisen; sind wir aber lässig oder suchen wir mit der Gefahr zu spielen, so wächst sie uns unversehens über den Kopf. „Und betet“, sagt der Herr. Wir dürfen nicht vermessen auf unsere eigene Kraft vertrauen, sondern müssen uns an Gott wenden, dass er uns stärke. Von ihm kommt unsere Kraft, bei ihm ist der Sieg.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä die Gnade zu erlangen, allen Versuchungen siegreich zu widerstehen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns in allen Versuchungen bewahren wolle.

 

Gebet

 

Maria, du reinste, sündenlose Jungfrau, in deinem Herzen hat keine ungeordnete Regung sich jemals erhoben, und nichts vermochte wider dich die listige Schlange. Schaue gnädig herab auf deine Kinder, die von Gefahren umringt sind, und geleite sie an deiner Hand durch alle Versuchungen dieses Lebens zum ewigen glorreichen Sieg. Amen.