8 - Vom Himmel

 

1. So sehr wir auch die armen Seelen im Fegefeuer zu bemitleiden haben, eins haben sie sicher, was uns noch nicht sicher ist: das ist der Himmel. Um sich des Himmels würdig zu machen, tragen sie gern alle Leiden, die zu ihrer Läuterung dienen, so groß sie auch sein mögen; zugleich brennen sie vor Sehnsucht und Heimweh nach Gott und seiner seligen Anschauung. Hätten wir nur etwas von dieser Geduld! Denn die Leiden dieser Welt sind wie nichts zu achten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll, sagt der Apostel. Hätten wir nur etwas von diesem himmlischen Heimweh! Wenn wir wüssten, was der Himmel wert ist, so würde die ganze Welt uns schal und wertlos erscheinen. Wir würden mit dem Psalmisten seufzen: „Wehe, dass meine Verbannung so lange währt! Wann werde ich kommen und erscheinen vor dem Angesicht des Herrn?“

 

2. Der Heiland vergleicht die himmlische Seligkeit mit einem königlichen Gastmahl, mit einem freudenvollen Hochzeitsfest. Der heilige Johannes schildert in der Geheimen Offenbarung das himmlische Jerusalem als eine schimmernde Stadt, aus Gold und Marmor und köstlichen Edelsteinen erbaut, von der Sonne der Gottheit erleuchtet, von dem Strom der Wonne durchflutet; wo die Seligen unter ewiggrünen Bäumen des Lebens wandeln, angetan mit weißen Gewändern, goldene Kronen auf den Häuptern; wo der Jubelgesang und der frohe Schall der Lieder niemals verstummt. Das alles sind nur Bilder, nur Gleichnisse, in denen die himmlische Lust und Pracht sich in mattem Schein widerspiegelt. Menschenzungen können die Herrlichkeit des Himmels nicht schildern, und wenn ein Bote Gottes mit Engelszungen von jener Herrlichkeit zu uns reden würde, so würden wir nicht fassen können, was er sagte. Denn es würde allen Sinn und Verstand übersteigen. „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ So spricht der Herr.

 

3. „Ich selbst will dein überaus großer Lohn sein“, sprach Gott zu Abraham. Das ist der Inbegriff des Himmels, und darum ist die himmlische Seligkeit ein unergründliches Meer von ewig neuer Wonne: wir werden Gott anschauen, die Quelle aller Schönheit, wir werden Gott besitzen in innigster Liebesvereinigung, Gott, der das höchste, das einzig wahre Gut ist. Da wird jedes Verlangen erfüllt, da wird der Durst nach Glückseligkeit in unserer Seele mit überströmender Wonne gestillt. Wie die Nacht vor dem Tag schwindet, so muss alle Pracht der Welt verblassen vor dem strahlenden Licht der ewigen Sonne, und dies ganze Erdenleben erscheint wie ein Tod im Vergleich zu dem ewigen Leben.

Wohlan, liebe Seele, auch dir steht der Himmel offen. Du hast einen Vater dort oben, der dich in Liebe erwartet. Du hast eine Mutter im Himmel, die für dich bittet. Du hast Gottes Gnade zur Seite, die dich nach oben geleiten will. So reiß dich los von der Sünde und von der Welt und von allen Geschöpfen und richte aufwärts dein Sinnen und Trachten, deinen Weg und Wandel.

 

Lasset uns beten drei Ave-Maria, um durch die Fürbitte Mariä die ewige Seligkeit zu erlangen.

Zusatz: . . . Jesus, der uns zum Himmel führen wolle.

 

Gebet

 

Maria, du Königin des Himmels, du stehst zunächst am Thron Gottes in der ewigen Herrlichkeit. Auch für mich, dein unwürdiges Kind, hat dein göttlicher Sohn dort oben eine Wohnung bereitet. Lass nicht ab, für mich zu bitten, solange ich noch wandle in den Gefahren und Versuchungen dieses Lebens. Unterstütze mich mit deiner Fürbitte und lenke meine Schritte, dass ich mein Ziel erreiche und dir im Himmel ewig danken kann. Amen.