Zweiter Tag - Die Notwendigkeit des letzten Zieles

 

1. Außer dem Ziel: Gott dienen und selig werden, ist nichts anderes notwendig. „Nur eins“, sprach Jesus zu Martha, „ist notwendig“. Dieses eine ist die Rettung deiner Seele, deiner einzigen unsterblichen Seele. Bedenke, dass der Mensch nicht erschaffen ist, um auf dieser Erde herumzuarbeiten, zu ackern, Handel und Wirtschaft zu treiben, Geld zu sammeln und dann zu sterben. Bedenke, dass es nicht notwendig ist, dass du reich, fröhlich, gesund und geehrt seiest: unzählige Arme, Verachtete, Schwache sind im Himmel, aber kein Fürst und König ist im Himmel zu finden, der Gott nicht hier auf der Erde gedient hat. „Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet!“ Was nützt es denn, wenn ihm alles auf Erden glückt, wenn dieses eine Geschäft aber fehlschlägt. Was nützt es ihm, wenn er alles gewonnen, aber seine unsterbliche Seele verloren hat. Was schadet es ihm, wenn ihm alles auf der Erde missglückt, aber das eine notwendige Geschäft wohlgerät. Was schadet es dem armen Lazarus, dass er auf der Erde elend war, da er jetzt auf ewig unnennbare Freuden genießt. Was nützt es dem reichen Prasser, dass er so reich gewesen ist, so gut gespeist, so kostbar sich gekleidet und den großen Herrn gespielt hat, da er jetzt in der Hölle brennt und niemand seine Zunge kühlt. Bedenke dieses ernstlich und forsche nach, was dich bisher abhielt und noch abhält vom Dienst Gottes. Schneide ab, gib auf und verachte alles, was dich hindert, Gott von ganzem Herzen zu dienen. Sprich oft zu dir: „Ich will, ja, ich will meine Seele selig machen, dieses ist das eine Notwendige.“ Diesen besten Teil hat Maria gewählt auf der Erde. Darum scheute sie keine Anstrengung, darum wurde sie von keinem Leiden erdrückt, darum mied sie alles, was ihr hinderlich war am Dienst Gottes, darum gebrauchte sie alle dargebotenen Mittel des Heils, war emsig in der Betrachtung des göttlichen Wortes, darum arbeitete, rang und strebte sie voran auf dem steilen und engen Pfad der Tugend. Dafür erlangte sie auch den besten Teil im Himmel, der in Ewigkeit nicht von ihr genommen wird.

 

2. Dieses Ziel ist so notwendig, dass du ohne dasselbe der elendste Mensch wärst. Höre, meine Seele, und zittere. Eine zweifache Ewigkeit wartet auf dich: die eine ist die glückseligste, die andere die unglückseligste. In eine von beiden wirst du eingehen, und von dort nie wieder hinausgehen. Hier gibt es keinen Mittelweg. Sage dir öfters: „Eine aus diesen Ewigkeiten muss ich notwendig betreten.“ Du wirst dich ewig erfreuen oder ewig trauern, du wirst ewig hungern oder ewig gesättigt werden, du wirst ewig ruhen oder ewig müde sein, du wirst ewig jubeln in einem Meer der Freuden oder ewig brennen im Feuer der Hölle. Das ist keine bloße Meinung der Menschen, sondern ein göttlicher Ausspruch: „Die Gottlosen werden gehen in die ewige Pein“, sagt der Herr, „die Gerechten aber ins ewige Leben“. Himmel und Erde werden vergehen, aber diese Worte Gottes werden nicht vergehen.

Jetzt, meine Seele, kannst du noch wählen, vielleicht ist es morgen zu spät. Maria hat den besten Teil erwählt: folge ihr nach, und auch du wirst ewig glückselig werden.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, damit Maria uns helfe, unser letztes Ziel zu erreichen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Maria, meine gütigste Mutter, lehre mich, das eine Notwendige immer im Auge zu haben. Zerreiße die Bande, die mich wegziehen von Gott, dem höchsten Gut, und bitte für mich um Verzeihung, dass ich bisher so blind dahingelebt habe, an die Rettung meiner einzigen unsterblichen Seele so wenig gedacht und dadurch Gott beleidigt habe, den ich aber jetzt lieben und dem ich allein dienen will bis zum letzten Augenblick meines Lebens. Amen.