Zwanzigster Tag - Die Tugend des Glaubens

 

1. Maria hat, wie der heilige Irenäus sagt, den Schaden, den unsere erste Mutter Eva durch ihren Unglauben angerichtet hatte, durch ihren Glauben wieder gutgemacht. Sie glaubte den Worten des Engels, der ihr die Menschwerdung des Sohnes Gottes verkündete. Sie erblickte ihr göttliches Kind im Stall zu Bethlehem, sah es fliehen vor Herodes, sah es Leben in größter Armut vor ihren Augen, und glaubte dennoch, dass dieses Kind der König des Himmels und der Erde sei. Sie sah ihren Sohn am Kreuz sterben, und obgleich der Glaube der heiligen Apostel und der Jünger wankte, blieb Maria doch fest überzeugt, dass er ihr Gott und Herr sei. Damals unter dem Kreuz ihres göttlichen Sohnes zeigte Maria auf glänzende Weise, wie stark ihr Glaube war, so dass sie mit Recht eine Mutter der Gläubigen genannt wird. Strebe eifrig, christliche Seele, nach diesem unerschütterlichen Glauben, er ist der Grund und die Wurzel alles gottseligen Lebens. Ohne Glauben kannst du Gott nicht gefallen. Der Glaube aber ist eine Gabe Gottes. Darum bitte inständig um diese Gabe, sprich oft: Herr, gib mir Glauben! Herr, hilf meinem schwachen Glauben! Herr, vermehre meinen Glauben . . .

 

2. Der heilige Ildephons ermahnt, dass wir nach dem Beispiel Mariens das Glaubenssiegel in uns erneuern sollen. Dies geschieht, wenn wir den Glauben in uns lebendig machen durch Ausübung guter Werke. Der Gerechte lebt aus dem Glauben, d.h. er lebt nach dem Glauben, er vollbringt, was der Glaube ihn lehrt. Verrichte also alle deine Werke im Aufblick zu Gott, im heiligsten Namen Jesu, bete, arbeite, kämpfe, leide, weil Gott es so haben will. Der Glaube lehrt dich, dass alle Güter und Freuden der Welt eitel sind: darum verachte sie. Der Glaube lehrt dich, dass das Auge Gottes nur auf die Demütigen und Reinen sieht: darum befleißige dich der Demut und Reinheit. Der Glaube lehrt dich, dass Gott allein in der Not, in der Versuchung helfen kann: also überlass dich ganz seiner heiligsten Vorsehung . . . Befolge so die Vorschriften des Glaubens, und du wirst immer mehr wachsen in allem Guten, vor jeder Sünde bewahrt bleiben und hingelangen zu dem Ort, wo der Glaube sich in Schauen verwandelt.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria einen festen und lebendigen Glauben zu erlangen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Mutter der Gläubigen, heilige Maria, hilf mir, dass ich, wie du, aus dem Glauben lebe, dass der heilige Glaube, der mir in der heiligen Taufe eingegossen worden ist, der Beweggrund aller meiner Handlungen sei, dass ich immer seinen Vorschriften folge und auf diese Weise immer tugendhafter werde. Amen.