Zwölfter Tag - Die Hingabe an Gott

 

1. „Sohn, Tochter, gib mir dein Herz“, spricht Gott zu jedem Menschen. Er will also den Menschen an sich ziehen, will, dass der Mensch ihm sein ganzes Herz weihe, sich mit ihm durch die Liebe vereinige. Wie glücklich der Mensch sei, der das mit Entschiedenheit tut, das hat schon David erkannt. „Gut ist es mir“, rief er oft aus, „dem Herrn anzuhangen“. Ihm ist hierin nachgefolgt Maria, seine Tochter, unsere Mutter. Sie verließ schon im zartesten Alter ihre teuren Eltern Joachim und Anna, sobald sie erkannte, dass Gott sie zu seinem besonderen Dienst berufen habe. Sie verließ das Haus, wo sie geboren wurde, die Heimat, wo sie gelebt hatte, und weihte sich mit der größten Freudigkeit dem Dienst Gottes im Tempel. Siehe, meine Seele, auch dich hat Gott berufen zu seinem Dienst. Bis jetzt hast du ihm noch wenige Opfer gebracht. Du hast dich entschlossen, ihm, dem einzig guten Herrn, zu dienen, ihn allein zu lieben: so schenke dich ihm auch mit Freuden. Sage aller weltlichen Eitelkeit, Lust und Pracht für immer Lebewohl. „Wer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, ist nicht tauglich zum Reich Gottes“, spricht Jesus. Der Herr hat sich dir geschenkt: schenke du dich ihm und verharre bei ihm bis zum Ende . . .

 

2. Es war für Maria nicht hinreichend, Gott ihre Eltern, ihr Haus, Hab und Gut aufzuopfern; die wollte überdies sich selbst, ihre Seele mit allen Kräften, ihren Leib mit allen Sinnen, mit allen Fähigkeiten, Talenten und Eigenschaften dem Herrn hingeben. Sie opfere sich Gott vollständig. Es ist also auch für dich nicht genug, dass du die Welt und die sündhaften Freuden der Welt verlässt und Gott zum Opfer bringst; du musst dich ganz dem Herrn weihen, alle Neigungen deines Herzens nur auf göttliche Dinge richten, deine Talente und Kenntnisse nur zur Ehre Gottes anwenden, deine fünf Sinne unablässig abtöten und nur zum Heil deiner Seele, zum Ruhm Gottes gebrauchen. Maria hat sich nicht bloß vollständig dem Herrn zum Opfer gebracht: ihr Opfer war auch ein beständig fortdauerndes. Sie hat dem Herrn gedient bis zum letzten Augenblick ihres Lebens, mit allen Kräften des Leibes und der Seele, in allen Verhältnissen, unter allen Umständen, in Freuden und Leiden. Folge Maria nach! Was du vielleicht in der Jugendzeit und den folgenden Jahren verabsäumt hast, suche mit verdoppeltem Eifer in der dir noch beschiedenen, vielleicht gar kurzen Zeit, soviel möglich nachzuholen und harre aus bis zum Ende. Der Herr wird auch dein Opfer lohnen, wie er das Opfer Mariä belohnt hat.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria um die Gnade, uns so vollständig und beharrlich wie Maria Jesus hinzugeben.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Jesus, mein einzig höchstes Gut, der du dich mir ganz geschenkt hast, obwohl ich dich so oft, so schwer beleidigte: siehe, ich schenke mich dir ganz und gar. Und du, meine gütigste Mutter Maria, nimm mein Herz und bring es deinem Sohn durch deine reinsten Hände dar, dass er es nicht verschmähe, sondern es zum Eigentum annehme. Vermittle durch deine kräftige Fürbitte, dass es ihm nie wieder vom höllischen Feind geraubt werde. Amen.