Zehnter Tag - Die Hölle

 

1. Was ist die Hölle? Die Hölle ist ein ewiges Gefängnis zunächst für die Seelen der Verdammten und nach dem jüngsten Tag auch für ihre Leiber. Das geheimnisvolle Übernatürliche Feuer brennt Seele und Leib. Qualen aller Art sind hier vereinigt: ewiger Hunger, ewiger Durst, ewiges Heulen, ewiges Zähneknirschen, ewige Verzweiflung, ein ewiger Tod, ohne zu sterben: ein ewiges Sterben, ohne zu leben. Alle Sinne fühlen sich gequält, die Augen durch den Anblick der Teufel, die Ohren durch Anhören der Verzweiflung, der Gaumen durch Hunger und Durst, das Gefühl durch sengenden Feuerschmerz. Und bei all diesen Peinen kein Trost, keine Ruhe, keine Erquickung. Dazu kommt noch der Wurm des bösen Gewissens, die Erinnerung an den so leichtsinnig verlorenen Himmel und die elenden Freuden der Welt und der Gedanke, durch eigene Schuld den Himmel verloren zu haben, durch eigene Schuld von Gott auf ewig getrennt und seiner beseligenden Anschauung beraubt zu sein, vielleicht wegen einer erbärmlichen Kleinigkeit.

 

2. Die allerschrecklichste Qual aber wird den Verdammten verursachen die Gewissheit, dass alle diese Schmerzen, alle diese Peinen ewig dauern werden, ohne Aufhören, ohne Ende, und dass sie also nie und nimmer der die Seligen so unendlich beglückenden Anschauung Gottes werden teilhaftig werden. Solange Gott, der Allmächtige, lebt und regiert, dauert die Hölle, also ewig. Der Riegel, der vor das Höllentor gezogen ist, heißt Ewigkeit, und niemand wird ihn öffnen. Die Uhr wird keine Stunde mehr zeigen in der Hölle, sondern ihre Zeiger werden immer deuten auf die Ewigkeit, und die Glocke wird keine Stunde mehr schlagen, sondern immer und immer durchschallt es die Hölle: Ewigkeit, Ewigkeit! Wenn ein Verdammter nur alle Millionen Jahre eine Träne weinte, und ein Engel sammelte diese Tränen, und der Verdammte könnte so viel Tränen weinen, dass ein Meer daraus würde, so groß, um das Feuer der Hölle damit auszulöschen: o wie schrecklich lange müsste dies währen! Und doch müsste einmal die Zeit kommen, es müsste einmal das Tränenmeer entstehen, damit aber wäre die Ewigkeit um keinen Augenblick verkürzt, sie nimmt niemals ein Ende. Nach dem Gleichnis, das der Heiland erzählt, leidet der reiche Prasser schon zweitausend Jahre in der Hölle und seufzt vergeblich nach einem Wassertropfen, um seine glühende Zunge zu kühlen, und ewig wird er fortbrennen und lechzen.

Schrecklich ist dieser Gedanke, aber verzweifeln wir nicht, wir haben einen barmherzigen Gott, wir haben einen Heiland, dessen Blut für uns um Vergebung schreit, wir haben Maria, die uns Barmherzigkeit und Gnade erbittet. „Denn es ist unmöglich“, schreibt der heilige Alfonsus von Liguori und mit ihm viele heilige Väter, „dass ein (wahrer) Verehrer Mariä, der ihr treu dient und sich fortwährend ihr anempfiehlt, verloren gehe“. Darum nennt der heilige Ephräm die Andacht zur Mutter Gottes einen Geleitsbrief, durch den man der Hölle entgeht. Darum sucht der heilige Johannes Damascenus sein und unser Vertrauen durch folgende Worte zu beleben: „O Mutter meines Gottes, wenn ich mein Vertrauen auf dich setze, so werde ich gewiss selig. Wenn ich unter deinem Schutz bin, so habe ich nichts zu fürchten, denn die Andacht zu dir ist eine sichere Waffe des Heils.“

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch die Fürbitte Mariä vor der Hölle bewahrt zu bleiben.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Gott und Herr, du hast die Hölle nicht erschaffen, sondern nur die Sünde hat sie angezündet. Errette mich aus den Banden der Sünde, die allein in die Hölle stürzen kann, und bewirke gnädig, dass, wenn deine erbarmungsvolle Liebe mich nicht zur Bekehrung bewegt, doch die Erinnerung an die ewigen Peinen des höllischen Abgrundes mein Herz erschüttern und mich zur heilsamen Buße treiben möge. O Maria, meine Mutter, rette mich vom ewigen Verderben. Amen.