Vierter Tag - Die Bosheit der schweren Sünde

 

1. Nur Gott allein erkennt die unendliche Bosheit der Todsünde, weil nur Gott allein, der durch die Sünde beleidigt wird, sich selbst kennt. Je größer der Beleidigte und je geringer der Beleidiger, desto fürchterlicher die Beleidigung. Gott ist die unendliche Majestät, du bist ein geringer Erdenwurm. Gegen die göttliche Majestät erhebst du dich, Sünder, kündigst ihr den Gehorsam. Gott befiehlt: Das sollst du tun, das sollst du unterlassen. Du Sünder antwortest: Ich tue es nicht, ich unterlasse es nicht. Du Erdenwurm, du Häuflein Staub und Asche, erhebst dich gegen den, in dessen Gewalt du jeden Augenblick stehst. Fürchterliche Bosheit! Der Sünder beschimpft und verachtet Gott. Der ärmste Straßenbettler wird nicht so erbärmlich behandelt, als der liebe Gott vom Sünder. Er verkauft Gott um einen noch geringeren Preis, als dreißig Silberlinge: um eine Handvoll Erde, für etwas Kupfer, Gold oder Silber, für die Lust eines Augenblicks. Willst du aber die Bosheit der Sünde noch besser erkennen, gleichsam mit Augen sehen und mit Händen greifen, so richte deinen Blick auf Jesus, der am Kreuz hängt. Es ist Gottes eingeborener Sohn, es ist der Herr der Heerscharen, der starke, unsterbliche, himmlische König, der Allerreinste und Heiligste, den du mit Nägeln an den Schandpfahl des Kreuzes geheftet zwischen zwei Mördern erblickst. Wer hat nun dieses ungeheure Verbrechen vollbracht, wer hat den Unschuldigsten so grausam gemordet? Etwa die Juden? Freilich, aber sie waren nur die Werkzeuge. Die Sünden, auch deine Sünden, haben diese abscheuliche Tat vollbracht. Bedenke ernstlich, o Seele: der Sohn Gottes litt von seinem Vater so entsetzliche Strafe, weil er mit deinen und der Welt Sünden beladen war. Siehst du, wie Gott die Sünde hasst, siehst du, wie er auch deine Sünden verabscheut? Wenn Gott seines eigenen Sohnes nicht schonte, obgleich er, ganz unschuldig, bloß deine Schuld auf sich genommen hat: was für eine Strafe wird er für den bestimmen, der die Sünde selbst vollbracht hat, wenn er sich nicht bekehrt?

 

2. Jesus, der Sohn Gottes, nahm die Schuld und Strafe der Sünde auf sich, um dich und alle Menschen in seinem Blut zu reinigen, mit Gott zu versöhnen, vor der ewigen Verdammnis zu bewahren. Welch eine unermessliche Liebe hat dir Jesus dadurch erwiesen. Der König starb für den Knecht, der gute Hirt für das treulose Schaf, der gute Vater für den ungeratenen Sohn. Und du, o Seele, willst nicht aufhören, zu sündigen, diesen König, diesen guten Hirten und Vater durch deine Sünden immer aufs Neue zu geißeln, zu kreuzigen? Du verschwendest Jesu Blut, verachtest sein Beispiel, seine Gebote. Wie kannst du gleichgültig bleiben über deine Sünden und nicht von tiefem Schmerz zerknirscht werden. Sieh die scharfen Nägel und erwecke Reue.

Blick auf Maria. Sie ist ohne Sünde, so dass auf sie die Worte der heiligen Schrift passen: „Ganz schön bist du, meine Freundin, und es ist kein Makel an dir.“ Maria steht unter dem Kreuz, sie sieht ihren Sohn für die Sünden der Welt leiden, sie opfert zur Sühnung deiner und der ganzen Welt Sünden ihr Liebstes bereitwillig, ihren Sohn, den sie liebte, wie nie eine Mutter ihr Kind geliebt hat, noch lieben wird, den sie liebte mit einer geheimnisvollen Liebe. Was hat das mütterliche Herz empfunden in diesem Augenblick. Jeder Hammerschlag auf die Nägel, die Jesu Hände und Füße durchdrangen, zerriss das Mutterherz. Jeder Seufzer Jesu bei der Todesangst hallte wider in der Mutterbrust. Wie hat Maria auch unserer Sünden wegen gelitten.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria die Bosheit der Sünde recht zu erkennen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O gütigster Erlöser, es reut mich über alles, dich beleidigt, dir solche schreckliche Schmerzen zugefügt zu haben. Verzeih, ach, verzeih, o Jesus! Nimmermehr will ich wieder so grausam sein. Himmlischer Vater, um des Blutes deines Sohnes willen erbarme dich meiner. O Maria, Zuflucht der Sünder, um der Todesangst willen, die du mit deinem sterbenden Sohn aushieltest, bitte ich dich, erlange mir wahre Reue über meine Sünden und die Gnade, nie deinen Sohn schwer zu beleidigen. Amen.