Siebenter Tag - Das besondere Gericht nach dem Tod

 

1. Nach dem Tod erwartet dich sogleich der gerechteste Richter, damit du von ihm das Urteil des ewigen Lebens oder Todes vernimmst. So lehrt der Glaube: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber ist das Gericht.“ Alle müssen da erscheinen, sich verantworten und das Urteil vernehmen, auch du. Was für ein Schrecken, wenn der Tod nicht gut gewesen ist. Der Richter ist allwissend, der auch die geheimsten Gedanken kennt, der Richter ist der gerechteste, der nicht auf das Ansehen der Person achtet. Jesus, der Sohn Gottes, war im Leben ein Fürsprecher, ein Erlöser, ein Hirt, ein Freund . . ., jetzt ist er ein strenger, gerechter Richter: strenge Gerechtigkeit zu üben, steht er vor dir. Wenn nun der Gerechteste kaum vor diesem Richter bestehen wird, wie wird es dem Sünder ergehen? Wähle jetzt, meine Seele, wie der gerechte Urteilsspruch über dich ausfallen soll, ob er heißen soll: „Komm, du Gesegneter“; oder: „Hinweg, du Verfluchter!“ Ob er heißen soll: „Geh ein in die Freuden deines Herrn“, oder: „Werfet ihn in die äußerste Finsternis, wo Heulen und Zähneknirschen ist.“ Nach dem Tod kannst du nicht mehr wählen . . .

 

2. Doch du verlässt dich auf Maria, die barmherzige Mutter und Zuflucht der Sünder. Du darfst dich auf sie verlassen, sie ist Mutter des Richters, sie ist auch Mutter der Sünder, aber der bußfertigen Sünder, die vor dem Tod sich bekehren wollen. Diesen wird sie Gnade erbitten und erlangen, jedoch nicht denen, die sie zwar als Fürbitterin anflehten, als Mutter ehren wollten, aber die Sünde nicht verließen. Sie wird beim Gericht nicht mehr helfen können und zu dem unwiderruflichen Urteilsspruch ihres gerechten Sohnes ihre Zustimmung geben. Maria will zwar die Rettung des Sünders, aber sie will auch, was Jesus will. Stirbt der Sünder unbußfertig dahin, so kann sie unmöglich seine Rettung wollen, die Jesus nicht will. Siehe also, meine Seele, welch ein Gericht deiner wartet. Ein gerechtes Gericht, ein unwiderruflicher Urteilsspruch. Jetzt lebst du noch, jetzt kannst du diesem Gericht der Gerechtigkeit durch das Gericht der Gnade im Beichtstuhl entgehen. Du kannst den Richter jetzt noch versöhnen durch wahre Buße, Gebet, Gutestun und durch Barmherzigkeit dem Nächsten gegenüber. Eile und säume nicht. „Siehe“, spricht der Herr, „ich komme Bald“, und furchtbar ist es, unbußfertig, mit Sünden beladen in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria Barmherzigkeit zu erlangen beim Gericht.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O geliebter Heiland, lass mich, wenn ich dich nach meinem Tod als Richter erblicke, mit dir ausgesöhnt sein. Gib mir Licht, dass ich meine Sünden erkenne und im Beichtgericht bekenne; gib mir Kraft, dass ich mein Leben gänzlich ändere. O Maria, Hoffnung der Sterbenden, du Mutter des Richters, hilf mir, dass ich jetzt mit deinem Sohn versöhnt werde, und bitte, dass er mir ein gnädiger Richter sein wolle. Amen.