Neunzehnter Tag - Die Tugend der Armut

 

1. Unser liebenswürdigster Erlöser wollte arm auf Erden erscheinen, um uns dadurch die Verachtung der Güter dieser Welt zu lehren. Darum wählte er sich auch zu seiner Mutter eine arme Jungfrau. Wie Jesus, so liebte auch Maria die Armut. Obwohl aus königlichem Geblüt stammend, schämte sie sich nicht, ihren Unterhalt durch Arbeit zu erwerben. Ein Engel offenbarte eines Tages der heiligen Brigitta, dass die Reichtümer dieser Welt Maria so verächtlich waren wie Straßenstaub. Gleich wie Maria arm gelebt hat, so starb sie auch in Armut, denn nichts hinterließ sie nach ihrem Tod, als zwei ärmliche Kleider, die sie nach dem Bericht des Nicephorus zwei armen Frauen schenkte. Bist du also, christliche Seele, arm, von niedrigem Stand, so freue dich, auf solche Weise Jesus und Maria ähnlich zu sein. Verlange nie unordentlich nach irdischem Besitz, sei immer zufrieden mit dem wenigen, das du besitzt, und vertraue auf den Herrn, der auch dich, wie Maria, nicht verlassen wird.

 

2. Bist du aber vermögend, hast du ein gutes Auskommen, hat dich Gott mit Gütern gesegnet, so hänge ja dein Herz nicht an diese vergänglichen Güter. Maria erhielt von den heiligen drei Königen kostbare Geschenke, aber sie verteilte sie, wie der heilige Bernhard sagt, sogleich unter die Armen. Unmöglich kannst du Gott ganz von Herzen lieben, wenn du die Erdengüter unordentlich liebst. Halte dich immer nur für den Verwalter und Nutznießer deines Vermögens und freue dich, Mittel zu haben, den armen Gliedern Christi mitteilen zu können. Gibst du gern Almosen, so sei versichert, dass dir Jesus dafür Größeres, seine Liebe und den reichlichsten Lohn im Himmel, zuteilwerden lasse. Er sagt ja: „Was ihr dem Geringsten getan habt in meinem Namen, das habt ihr mir getan.“ Sprich oft mit dem heiligen Ignatius: „Herr, gib mir nur deine Liebe und deine Gnade, und ich bin reich genug.“ Bist du aber durch Unglück um das Deinige gekommen und wieder arm geworden, so tröste dich mit dem Gedanken, dass auch Jesus und seine heilige Mutter arm gewesen sind und die Armut so sehr geliebt haben, und sprich mit dem heiligen Arsenius: „O Gott, der du für uns arm geworden bist, sei ewig gepriesen, dass du mich an deiner glorwürdigen Armut teilnehmen lässt.“

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria die Tugend der Armut zu erlangen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Maria, meine gütige Mutter, du liebtest auf Erden kein anderes Gut, als Gott. Mache, dass ich der Welt ganz absterbe, ziehe mich zu dir, damit ich nur den liebe, der allein geliebt zu werden verdient, Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.