Fünfzehnter Tag - Die Tugend des Gehorsams

 

1. Mehr als alle Opfer gilt bei Gott der Gehorsam. So hat auch Jesus diese Tugend am vorzüglichsten geübt und ist, wie der Apostel sagt, gehorsam geworden bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. An Maria glänzte diese Tugend im hellsten Licht. Sie gehorchte bereitwillig dem römischen Kaiser und machte die weite Reise nach Bethlehem, um sich dort mit Josef aufschreiben zu lassen. Sie gehorchte schnell ihrem Bräutigam Josef, indem sie sich mitten in der Nacht auf seine Ermahnung zur Flucht nach Ägypten anschickte und aufmachte. Ohne Murren, ohne Widerrede, ohne Betrübnis unterwarf Maria ihren Willen aus Liebe zu Gott dem Willen anderer. So brich auch du deinen Eigenwillen, der durch die Sünde so unbeugsam geworden ist. Auf solche Weise erfüllst du das, was Jesus will, indem er spricht: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst.“

 

2. Maria unterwarf ihren Willen dem Willen anderer aus Liebe zu Gott, denn nur dann hat der Gehorsam wahren Wert. Der göttliche Wille war die Richtschnur all ihres Tuns und Lassens. „Es war“, wie der heilige Bernhardin sagt, „ihre liebste Beschäftigung auf Erden, darauf zu schauen, was Gott wohl von ihr verlange, um dies alsdann ins Werk zu setzen.“ Dem Gehorsam Gott gegenüber brachte sie alles, ihr Liebstes, sich selbst zum Opfer. Einen Beweis hiervon gab sie damals, als sie auf dem Kalvarienberg ihren göttlichen Sohn, ihr Liebstes auf Erden, das Leben ihres Lebens, so mutvoll aufopferte. O lerne denn auch du, meine Seele, von Maria die schönste aller Tugenden üben. Ohne Gehorsam kannst du nimmermehr zu Gott gelangen, denn ohne Gehorsam gibt es keine wahre Tugend, und ohne wahre Tugend keine Seligkeit. „Der Gehorsam“, sagt der heilige Bonaventura, „ist ein Schiff, in dem man zum Himmel segelt, ein Schlüssel, der den Himmel öffnet. Die heilige Theresia sagt: „Der böse Geist, der da weiß, dass kein Weg schneller auf den Gipfel der Vollkommenheit führt, als der Weg des Gehorsams, wendet manche unter dem scheinbaren Vorwand des Guten von der Übung dieser Tugend ab.“

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria die Tugend des Gehorsams zu erlangen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O meine geliebte Königin und Mutter meines Gottes, bitte Jesus für mich und erlange mir um deines Gehorsams willen die Gnade, dass ich getreu den Willen Gottes und aus Liebe zu Gott den Willen derjenigen erfülle, die über mich gesetzt sind, besonders aber meinen geistlichen Führern mich gern unterwerfe. Amen.