Erster Tag - Unser erstes und letztes Ziel

 

1. Das erste Ziel des Menschen hier auf Erden ist Gott dienen, denn dazu hat dich Gott, der allmächtige Vater, erschaffen, deswegen erhält er dich auch. Seinen heiligen und immer gerechten Willen, der nur dein Bestes will, sollst du stets befolgen. So hat Gott selbst geboten: „Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen.“ Und zwar sollst du ihm allein dienen, weil, wie, wann und wo er es will, in dem Stand, den er dir angewiesen hat, in der Art und Weise, wie er es von dir verlangt, mit den Mitteln, die er dir gegeben hat, mit Bereitwilligkeit und freudigem Herzen, nicht wie ein Sklave seinem Herrn, sondern wie ein gut geartetes Kind seinen lieben Eltern. Gott ist dein gütigster, liebevollster  Vater. Dieses Ziel hatte Maria stets vor Augen, darum nannte sie sich auch Magd des Herrn. „Siehe, ich bin die Magd des Herrn.“ Wie eine Blume immer der Sonne entgegenschaut, so waren alle ihre Gedanken, Worte und Werke immer auf Gott, die Sonne der Gerechtigkeit gerichtet in allen Lagen und Verhältnissen ihres Lebens, sowohl bei den Freuden, die ihr zuteil wurden, als auch bei den schweren Prüfungen, die Gott über sie verhängte. Ihr Wille war mit dem göttlichen ebenso vereinigt, als die Weisen aus dem Morgenland vor ihrem göttlichen Sohn knieten, wie zu der Zeit, wo sie ihren lieben Sohn am Kreuz sterben sah. Ebenso, während sie die Wundertaten ihres Sohnes erblickte, als in dem Augenblick, wo sie mit ihm nach Ägypten flüchtete. Zwei Herren kann man nicht zugleich dienen. Es gibt nur einen wahren Herrn im Himmel und auf Erden, und dieser ist Gott, der Herr der Heerscharen.

Hast du, meine Seele, Gott immer gedient? Wem hast du bisher gedient, der Welt, der eitlen Lust, dem Geld, der Sünde, dem Teufel? Wem willst du fortan dienen?

 

2. Das letzte Ziel des Menschen ist die ewige Seligkeit bei Gott. Höre, meine Seele: dienst du Gott, so verspricht er dir eine ewige Seligkeit, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, kein Herz zu empfinden vermag. Dienst du aber der Welt und ihrer Lust, der Sünde und dem Teufel, welchen Lohn wirst du dann empfangen? Statt die Worte des Herrn zu vernehmen: „Du guter und getreuer Knecht, gehe ein in die Freude deines Herrn“, wirst du die schrecklichen Worte hören müssen: „Werft den bösen Knecht hinaus in die äußerste Finsternis, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird“. Sieh, wie Maria von Gott belohnt wurde! Aus einer Magd des Herrn ist sie die Königin aller Engel und Heiligen geworden. Wie wird sie sich jetzt freuen am Thron ihres göttlichen Sohnes, umgeben von allen Heiligen des Himmels, freuen der unaussprechlichen Seligkeit, die sie sich durch den treuen Dienst Gottes erworben hat!

Meine Seele, besinne dich! Willst du nicht hier eine kurze Zeit Gott dienen, wie Maria, und im Himmel mit ihr und Jesus herrschen in Ewigkeit?

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria dieses Ziel recht zu erkennen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Maria, du demütige Magd des Herrn und Königin des Himmels und der Erde, hilf mir, dass ich den Dienst der elenden Welt verlasse, das harte Joch der Sünde abwerfe, dem Teufel widersage und in den Dienst desjenigen trete, der mich erschaffen, erlöst und geheiligt hat, um einst mit dir und allen Heiligen im Himmel voll seliger Freude herrschen zu können. Amen.