Einunddreißigster Tag - Das in Christus verborgene Leben

 

1. „Wenn ihr mit Christus auferstanden seid, so suchet, was droben ist, wo Christus ist, der zur Rechten Gottes sitzt. Was droben ist, habt im Sinn, nicht was auf der Erde ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott!“ So ruft der heilige Apostel Paulus allen denen zu, die die Sünde verlassen haben, der Welt abgestorben sind und für Gott leben wollen. Ihr Leben soll verborgen sein mit Christus in Gott. Dieses verborgene Leben in Christus besteht in der fortwährenden Flucht und Vermeidung alles eitlen Umganges mit Geschöpfen. Musst du unter Menschen sein, mit ihnen zusammen leben, mit ihnen arbeiten, so bewahre wenigstens die Einsamkeit des Gemütes, indem du deine Arbeiten auf Gott beziehst, immer in seiner Gegenwart dich hältst, alle eitlen Vorstellungen und Bilder dir aus dem Sinn schlägst, deine Augen bezähmst, gehöriges Schweigen beobachtest und durch kurze Schussgebetlein dein Herz zu Gott erhebst. So lebte Maria unter den Aposteln. Sie hatte sich zurückgezogen vom Schauplatz der Welt und sich ganz dem Gebet und der Betrachtung hingegeben. Nur dann, wenn die Apostel Rat und Trost brauchten, nur dann, wenn sie mit ihnen betete, öffnete sie ihren Mund.

 

2. Nicht bloß mit dem Leib und dem Gemüt, sondern auch mit dem Herzen muss der, der sich mit Gott vereinigen will, verborgen in Christus leben. Dieses verborgene Leben des Herzens in Christus ist die heilige Einsamkeit. Diese Einsamkeit verleiht Gott nur seinen getreuesten Anhängern, die in beständiger Abtötung ihrer äußeren Sinne und inneren Neigungen sich endlich von allem Irdischen entblößt haben und ganz frei von aller Anhänglichkeit an die Geschöpfe sind. In ein solches Herz steigt dann der göttliche Bräutigam nieder und feiert mit ihm seine Vermählung. Da spricht er himmlische Worte, die süßer sind als Honig, zur Seele, und die Seele zerfließt gleichsam in heiligem Entzücken wegen der Gewalt der Liebe und ihrer Wonne. Verlasse also alles, und du wirst alles finden, ersterbe dir, ersterbe der Welt: und Christus wird in dir, und du wirst in Christus leben und nicht sterben, auch wenn du dem Leib nach gestorben bist. Auch hierin gibt dir Maria ein Beispiel. Sich und der Welt war sie gestorben und im Innersten ihres Herzens lebte die Seele ihrer Seele, Gott, der da ist alles in allem, hochgelobt in Ewigkeit.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, dass wir durch die Fürbitte Mariä der Welt absterben und in Christus leben.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Maria, Trauer und Wehmut durchdringt mein Herz, weil es immer noch im Äußeren umherirrt, dem Irdischen sich zuneigt und sich wehrt gegen die heilige Einsamkeit, in der du in Gott geborgen gelebt und mit ihm vollkommen vereinigt gewesen bist. O führe meine Seele doch auch in diese Einsamkeit, reiße sie los von en Geschöpfen, erfülle sie mit himmlischen Begierden und entflamme sie zu jener brennenden Liebe, die mit nichts sich begnügt, als nur mit dem höchsten Gut. Amen.