Dritter Tag - Die Eitelkeit der Welt

 

1. Alles Irdische, Geld, Hab und Gut, Ehre und Ansehen, Freude und Lust machen den Menschen, der danach unordentlich strebt, oder daran sein Herz hängt, nicht glücklich, verbittern ihm vielmehr das Leben. Siehe, o Seele, wie muss sich der Mensch plagen, wie muss er sich anstrengen, um die Güter der Welt zu erlangen, ihre Freuden zu genießen. Und hat er sie erlangt, hat er sie genossen, so ist er doch nicht zufrieden, also unglücklich. Wo ist wohl ein Weltmensch, der, wenn er auch die ganze Welt besitzt, alle Vergnügungen genießt, zufrieden wäre? König Salomo hatte alles, was sein Herz begehrte, und doch rief er aus: „Alles ist Eitelkeit und Kümmernis des Geistes!“ Der Gedanke: „Geld, Ehre und Lust dauern nur kurze Zeit“, verbittert dem Weltmenschen das Leben. Alle irdischen Freuden und Güter gehen vorüber wie ein Schatten, und auch die Gestalt dieser Welt mit all ihrer Herrlichkeit wird vergehen . . . Was geschieht mit deiner Seele? Wie nun ist es möglich, dass du noch dieser eitlen Welt dienst? Um diesen elenden Preiskannst du Gott, den Himmel, die ewige Seligkeit hingeben?

 

2. Die Welt sucht aber den Menschen zu blenden, sie stellt die Freuden, die Lüste, die Reichtümer, die Ehren so reizend dar, sie malt alles so schön vor die Augen. Doch es kommt der Tod, der ihr die Maske vom Gesicht reißt. Die Todesstunde ist die Zeit, wo die Wahrheit zur Geltung kommt. Da erkennt man, dass alles Irdische Eitelkeit, Rauch und Asche ist, in der Todesstunde verschwinden alle Täuschungen der Welt. Wie verbittern die irdischen Freuden, Güter und Ehren die letzten Augenblicke des Dieners der Welt. König Philipp III. von Spanien rief in der Todesstunde aus: „Hätte ich doch in einer Einöde Gott gedient! Ich würde jetzt mit größerem Vertrauen vor dem ewigen Richter erscheinen.“ Unglücklich lebt, unglücklich stirbt, wer sich von der Welt täuschen und blenden ließ. Richte deinen Blick auf Maria, diese arme, demütige, die Ehren der Welt fliehende, den Freuden und Vergnügungen der Welt abgestorbene Jungfrau. Verachte, fliehe wie sie alle Freuden und Güter der Welt, weihe deine Tage dem Dienst Gottes, und du lebst zufrieden hier und ewig selig in der anderen Welt. Bedenke, einmal musst du doch die Welt verlassen, und du kannst von ihr nichts mitnehmen, als etwa nur die bittere Erinnerung, dass alles eitel gewesen ist, dass du nichts gewonnen, alles verloren hast. Was willst du tun? . . .

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria die Gnade zu erlangen, den Eitelkeiten der Welt zu entsagen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O Jesus, ich entsage allen irdischen Freuden und Gütern, um mich ganz dir zu weihen. Du hast mir die Erkenntnis gegeben, dass alles eitel ist: gib, dass ich jetzt nach dieser Erkenntnis auch lebe. Verzeihe mir, dass ich bisher so töricht gewesen bin und eitle Dinge dir vorgezogen, dich so sehr beleidigt habe. Jetzt verzichte ich auf alles, um mich ganz dir zu schenken. O Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich. Amen.