Dreizehnter Tag - Die Tugend der Demut

 

1. Der kostbarste Edelstein in der Krone der allerseligsten Jungfrau ist die Tugend der Demut, die sie von Kindheit an geübt hat. Sie bewies sie, als sie ihren Lobgesang bei dem Besuch ihrer Cousine Elisabeth anstimmte und ausrief: „Der Herr hat herabgesehen auf die Niedrigkeit seiner Magd“. „Die Demut“, sagt der heilige Bernhard, „ist die Hüterin und Grundlage aller Tugenden“, und er hatte Recht. Ohne Demut kann keine andere Tugend in der Seele Platz finden, denn diese werden alle fliehen, sobald die Demut sie verlässt. Nur in ein demütiges Herz können wir die göttliche Gnade aufnehmen. „Christus befiehlt uns nicht“, sagt der heilige Augustinus, „von ihm zu lernen, eine Welt zu bauen, Sichtbares und Unsichtbares zu erschaffen, Wunder zu wirken, Tote wieder lebendig zu machen, sondern von Herzen demütig zu sein.“ Willst du das erhabene Gebäude der Tugend aufbauen, so beginne bei dem Grundstein der Demut. Da du dich entschlossen hast, den Weg zu gehen, den Jesus und Maria gegangen sind, und Christus selbst dir zuruft: „Lerne von mir, weil ich sanftmütig und demütig bin von Herzen“, so bestrebe dich mit allem Eifer, diese Tugend zu üben. Bedenke nur, dass diese Tugend der Grund des wahren geistigen Lebens ist. Durch Hochmut bist du gefallen, durch Demut allein kannst du von deinem Fall aufstehen, durch Demut allein dich vor dem Fall bewahren.

 

2. An Maria, die die Demut selbst ist, kannst du sehen, worin diese Tugend besteht. Der wahrhaft Demütige erkennt seine allseitige Abhängigkeit von Gott, seine Geringheit und Ohnmacht willig an und schreibt alles, was er ist und was er hat, Gott, als der einzigen Quelle alles Guten, freudig zu. Er unterwirft sich in allem Gott und übt treuen Gehorsam gegenüber seinen Vorgesetzten, er strebt nicht nach eitler Ehre und erträgt Demütigung und Verachtung mit Gleichmut, ja, wenn er in dieser Tugend bereits die Vollkommenheit erreicht hat, sogar mit Freude. Maria zeigt sich als die Demütige bei ihrer Verkündigung, da sie sich eine Magd des Herrn nannte, bei ihrem Besuch der Anverwandten Elisabeth, dem heiligen Josef gegenüber, dem sie gehorsam war, auf der Hochzeit zu Kana, besonders unter dem Kreuz Jesu. Ahme die Demut Mariä nach. Erkenne gern an, dass du aus dir selbst nichts bist und alles Gott zu verdanken hast. Bereue deine Sünden, die du begangen hast; erkenne deine Unvollkommenheiten, womit du behaftet bist; strebe nicht unordentlich nach Ehre, trage mit Geduld jede Unehre, sei gehorsam gegenüber deinen Vorgesetzten, bescheiden und anspruchslos gegenüber deinen Nächsten.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria unsere Sündhaftigkeit, Schwachheit und Armseligkeit immer mehr zu erkennen.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

So ist es denn unmöglich, o meine Königin, dass ich dein Kind und ein wahrer Nachfolger deines Sohnes sei, wenn ich nicht demütig bin. O meine Mutter, stehe mir bei und erlange mir durch die Verdienste deiner Demut die Gnade, demütig und dadurch dein wahres Kind zu werden. Amen.