Achtundzwanzigster Tag - Die Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem Willen Gottes

 

1. Die Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem göttlichen Willen besteht darin, dass wir nichts wollen, außer was Gott will, und uns alles gefallen lassen, was Gott über uns verhängt. Das hat Christus gelehrt und geübt, und seine göttliche Mutter ist ihm hierin nachgefolgt. Im Vaterunser lehrt uns Christus beten: „Vater, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“, dein Wille geschehe von uns und an uns. Ferner sagt er von sich selbst: „Ich bin vom Himmel herabgestiegen, nicht, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Am Abend vor seinem Tod betete er dreimal: „Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst“, und gab seinen Willen gänzlich dem himmlischen Vater hin. Ihm folgte seine Mutter treulich nach. „Siehe“, sprach sie zum Engel, „ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort!“ Und als Jesus ihr sein Leiden und seinen Tod ankündigte, gab sie, obwohl mit den tiefsten Schmerzen erfüllt, mutig ihre Einwilligung, denn der Wille Gottes ging ihr über alles. Befleißige denn auch du dich immer dieser himmlischen Tugend, die dir den schönsten Frieden, eine Art Seligkeit schon auf Erden verschafft.

 

2. Damit du dich aber in dieser Tugend tief begründest, so präge dir zwei Hauptlehren ein: erstens, dass in dieser Übereinstimmung deines Willens mit dem göttlichen Willen die Vollkommenheit besteht, zweitens, dass in der Welt durchaus nichts vorfallen und sich ereignen kann, außer durch und nach Gottes Willen, Anordnung oder Zulassung. Was die erste Grundlehre betrifft, so bedenke, dass der höchste, reinste und erhabenste Teil der Liebe Gottes darin besteht, dass man in allen Stücken dasselbe will und nicht will, was Gott will und nicht will. Es gibt gewiss nichts Besseres und Vollkommeneres, als den Willen Gottes. Darum ist auch der Mensch umso vollkommener, je mehr er sich mit dem göttlichen Willen vereinigt und gleichförmig macht. Das tat Maria, und so hat sie auch die höchste Stufe der Vollkommenheit erreicht. Was die zweite Grundlehre betrifft, so bedenke, dass Gott, der Herr des ganzen Weltalls, jedes, auch das geringste Geschöpf, regiert und erhält und selbst die Haare deines Hauptes gezählt hat. Darum sagt der Prophet: „Glück und Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum kommen von Gott.“ Hast du dir das nun recht lebhaft ins Herz geprägt, so gibt es für dich keinen Zufall mehr und du wirst nicht unruhig, verzagt werden, wenn dir Übles widerfährt, sondern dich in den allerheiligsten und anbetungswürdigsten Willen Gottes ergeben, der alles zu deinem Besten anordnet. So beeifere dich denn nach dem Beispiel Jesu, Mariä und Josefs, die Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen dir anzueignen. Sage oft, besonders in den Versuchungen, Ängsten und Nöten: „Herr, dein Wille geschehe!“ und sei ruhig. Denke: „Der Herr ist mein Helfer, ich wanke nicht.“ Glaube sicherlich, dass der, der seinen Willen gänzlich Gott hingegeben hat, nicht verloren gehen kann.

 

Lasset uns beten drei Ave Maria, um durch Maria die Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem göttlichen zu erhalten.

Gegrüßet seist du . . .

 

Gebet.

O getreueste Mutter Maria, lehre mich doch, den Willen Gottes in allen Stücken und zu allen Zeiten immer getreu zu erfüllen. Lehre mich auch, meinen so veränderlichen und oft so eigensinnigen Willen gänzlich mit Gottes heiligem Willen zu vereinigen! Siehe, bereit ist mein Herz, zu tun und zu leiden, was und wie es Gott gefällt. Amen.