XXVII. Maiandacht - Geranium

 

Eine der gewöhnlichsten Blumen, die man am häufigsten trifft, die man in fast allen Häusern findet, an vielen Fenstern sieht, die das Zimmer des Reichen, wie das Stübchen des Armen gleich heimelig und traulich macht, ist die Geranie. Ihr Sinnbild ist die Häuslichkeit, jenes gemütliche, christlich fromme Familienleben, das in der heiligen Familie auf Erden, in Jesus, Maria und Josef im herrlichsten Licht sich zeigt. O glückliches Nazareth, du sahst die niedrige Hütte, in der der Frieden Gottes wohnte und drei Personen ihre Tage zwischen Arbeit und Gebet zubrachten! Hier verfertigte Josef, der fleißige Handwerksmann, Pflüge, Joche und Wagen, wie der heilige Justinus sagt. Zuweilen ging er auf den Berg Karmel, um dort mit seinen noch rüstigen Armen die hohen Sykomoren und die schwarzen Terebinthen zu fällen. Gering war der Lohn, den er für große Mühe empfing und diesen geringen Lohn teilte er noch mit den Armen. Maria war ganz die unermüdlich fleißige Hausfrau, die neben all ihrer rastlosen Geschäftigkeit dennoch Zeit fand zum Lesen der heiligen Schriften, deren ganzer Wandel im Himmel war und auf die das schöne und weise Wort des Psalmisten angewendet werden kann: Die Ehre der Tochter eines Königs ist in ihrem Innern. Sie flocht aus den Blättern der Dattelpalme oder aus Schilf von des Jordans Ufern die Matte, die das ländliche Dach ihres Hauses deckte. Jesus Christus, der Zeuge der unermüdlichen Tätigkeit seiner heiligen Mutter, hat in seinen Gleichnissen zuweilen darauf angespielt und Mariens einfache Beschäftigungen sind in das Evangelium verschmolzen wie Wasserblumen in den Bernstein. Man findet darin die fleißige Hausmutter, die den Sauerteig in drei Maß Weizen tut, ihren Boden sorgfältig kehrt, um den verlorenen Groschen zu finden, und ein ärmliches altes Kleid sparsam ausflickt. Wenn Jesus ein Gleichnis braucht, um die Reinheit des Herzens zu empfehlen, so erinnert er an die Reinlichkeit derjenigen, die den Becher von innen und außen sorgfältig putzt, und man sieht, dass er an Maria denkt, wenn er die Gabe der Witwe lobt, die nicht von ihrem Überfluss, sondern von ihrer Armut gibt. – Jesus, so jung er war, nahm doch schon das Beil und folgte seinem alten Nährvater, um ihn in der Arbeit zu unterstützen. Jesus, Maria und Josef gaben sich harten Arbeiten hin und diese großen Seelen, die über Legionen Engel hätten gebieten können, verlangten nie mehr von Gott, als ihr tägliches Brot. –

Die Geranie ist fast in jedem Haus zu finden und so könnte dieses häuslich stille Familienglück, dieses christlich fromme Stillleben in jedem Haus sein. Für Maria war diese Zeit ohne Zweifel die glücklichste ihres Lebens. Obwohl aller Gemächlichkeiten des Wohlstandes beraubt, durfte sie ihren Sohn immer vor Augen haben, konnte mit ihm leben, für ihn arbeiten und darauf sinnen, ihm Freude zu bereiten! – Und hierin, liebe Christen, liegt das Geheimnis unseres eigenen Glücks! Für Jesus leben ist die Quelle aller Zufriedenheit und des häuslichen Friedens. Weiß, rosa, violett und dunkelrot blüht die Geranie und so sollst du, christliche Seele, alle Stunden des Tages, in den verschiedenen Lagen deines Lebens für Jesus glühen! Mit ihm aufs innigste vereint durch das Band, das Himmel und Erde verbindet, vereint durch den Ring des Gebetes. Dieser heilige Ring umschlinge dich und die deinigen und deine ganze Familie zum gemeinschaftlichen Morgen- und Abendgebet, zum gemeinschaftlichen Tischgebet. Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Mit ihm vereint durch den Ring mit dem roten Rubin, dem Opfer der Heiligen Messe, der unblutigen Erneuerung des blutigen Kreuzestodes Christi. Kein Tag gehe vorüber, ohne dass nicht wenigstens ein Glied deiner Familie dem wunderbaren Geheimnis beiwohne. Nichts schmerzt am Sterbebett mehr, sagt der heilige Ignatius, als die Gnaden, die wir aus Trägheit und Lauigkeit versäumten. Für ihn arbeiten in seiner heiligen Gegenwart. Wo ich bin und was ich tu, sieht mir Gott mein Vater zu! In der guten Meinung, die wir am Morgen erwecken und öfters am Tag erneuern. Ihr mögt essen oder trinken oder sonst was tun, tut alles zur Ehre Gottes! – O Jesus, dir zu liebe! – O Herr gib, mir Geduld! – Bei ihm bleiben, denn wo du, o Jesus, bist, sagt die Nachfolge Christi, ist der Himmel. Wo du nicht bist, ist die Hölle. Wer mich liebt, spricht Jesus, zu dem will ich kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Mit Jesus aber kommt sein Frieden und sein Segen. Warum geht ihr also so viel zu den Menschen, da doch an Gottes Segen allein alles gelegen? – Willst du den Frieden im Haus nicht verlieren, sagt der selige Egydius, so musst du zwei Schlösser an deine Haustür machen. Das eine heißt: Geh nicht viel hinaus und das andere: Lass nicht viel herein. Ein großer Geistesmann sagte: So oft ich hinausging, kam ich immer als weniger Mensch zurück. Nirgends besser als zu Hause! Lass auch nicht viel herein. Mache es wie die Bienen. Einer wollte die Bienen arbeiten sehen und ließ daher einen gläsernen Bienenkorb machen. Aber in einem Augenblick hatten die Bienen das Glas von innen mit Wachs überzogen, dass er nichts sehen konnte. Ziehe auch du den Schleier der Zurückgezogenheit, den Schleier der Einsamkeit vor dein Haus, denn je zurückgezogener und einsamer, desto ruhiger und friedlicher. Bleibe allein bei deiner Familie, allein bei Jesus, dann wirst auch du fühlen das große Wort des heiligen Bernhard: Nie bin ich weniger allein, als wenn ich allein bin! – So lebe mit Jesus, du und deine Familie, dann wird dein Haus, umblüht von der hoffnungsgrünen Geranie der christlich frommen Häuslichkeit, ein zweites Haus von Nazareth werden, wo Jesus das Gebet erhört, Maria selige Freuden spendet und Josef die Arbeit segnet. Eine Jakobsleiter, auf der die Engel auf und nieder steigen und dein und der deinigen Herz mit dem göttlichen Herzen verbinden.

Die Geranie ist auch im Winter grün und so verlor auch die heilige Familie im Unglück und in der Armut nicht ihren stillen Frieden und ihr wunderbares Glück. Wir sehen sie nicht mehr im Haus zu Nazareth, sondern in einem anderen fremden Land zu Heliopolis in Ägypten. Hier musste Maria in den Feuerofen der Armut hinabsteigen und das Elend von allen Seiten kennenlernen. Das Gold der heiligen drei Könige war zu Ende und sie gerieten in solche Dürftigkeit, dass der Sohn Davids ein Taglöhner werden und die Tochter der Könige Judas die ganze Nacht hindurch arbeiten musste, um den geringen Lohn ihres Gatten zu vermehren. Da bat oft weinend das Kind die Mutter um Brot, sagt Landolphus von Sachsen, und die Mutter hatte nichts ihm zu geben, als Tränen! Aber dennoch war Maria zufrieden und ruhig, denn sie hatte Jesus bei sich. Für Jesus leiden, welch ein Trost! Mit Jesus leiden, welch ein Schutz! – Es gibt Leiden im Inneren der Familie, sogenannte Hauskreuze, und Leiden, die von außen kommen und für beide gilt das Wort: Wer es vermag sowohl die drückende, als die segnende Hand Gottes mit gleichmütigem Geist zu küssen, der hat den Höhepunkt christlicher Vollkommenheit erreicht.

Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, dass sie uns von Gott die Gnade erbitten möge, für Jesus zu leben und zu leiden, damit der häuslich stille Frieden stets in unserem Familienkreis verbleibe. Amen.

 

Geranium, das Bild der Häuslichkeit,

Jedes Auge durch sein Grün erfreut.

Häuslich stiller Frieden, o wie gut

Ist es zu leben unter dieser Hut! –

Zu Maria bittend hebt den Blick,

Dass von euch nie weiche dieses Glück!

Wo der Frieden, dort ist keine Not,

Frohes Leben und ein guter Tod. –