XVI. Maiandacht - Rittersporn

 

Der römische Kaiser Severus hat seinen Soldaten dieses Kriegszeichen gegeben: Laboremus, lasst uns arbeiten, lasst uns kämpfen! – und dadurch herrlich den Ausspruch des heiligen Dulders Hiob veranschaulicht: Des Menschen Leben auf der Erde ist ein Kampf!

Und wenn ich euch, liebe Christen, ein Fahnenbild, ein Wahrzeichen, einen Wahlspruch geben müsste, so würde ich euch die Blume Rittersporn geben, weil der Rittersporn das Sinnbild des Kampfes ist. – Kaum war die erste Sünde begangen, als der Allmächtige sprach: Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot verdienen! Die Pforten des Paradieses schlossen sich und die Erde wurde für den Menschen ein großer, heißer Kampfplatz! Der Himmel muss nun heiß erkämpft, erstritten und erobert werden, wie der göttliche Heiland sagt: Nicht ein jeder, der da sagt: Herr, Herr, wird eingehen ins Himmelreich, nein, das Himmelreich leidet Gewalt und nur die Gewalt brauchen reißen es an sich. – Darum ist auch die Sprache der Apostel so kriegerisch: Kämpfe wie ein guter Soldat Jesu Christi, spricht der heilige Paulus; ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden! – Zieht an die Rüstung Gottes, dass ihr widerstehen könnt den Nachstellungen des bösen Feindes, sagt der heilige Petrus. – Darum ist auch das Leben aller Heiligen so kampfesvoll. Wie kämpfte der heilige Franz von Sales, bis er den Zorn überwand; wie kämpfte der heilige Ignatius, bis er den unreinen Geist besiegte; wie viel Gebet, wie viel Fasten, wie viele Nachtwachen eines heiligen Franziskus, um den Himmel zu erringen. Wie kämpfte der heilige Aloysius in der Blüte seiner Jugend; wie stritt der heilige Alphons im tiefsten Greisenalter, am Rand des Grabes! – Und unser eigenes Herz muss dieser Wahrheit Zeugnis geben. Ist es leicht mitten in der Welt, umrungen von tausend Gefahren, Versuchungen und Gelegenheiten sich rein und unverletzt zu erhalten? – Nein, da kostet es Kampf, Kampf mit dem eigenen Herzen, Kampf gegen fremde Herzen, Krieg mit den Augen und Ohren, Kampf in der Jugend und im Alter; Krieg am Morgen und am Abend; Kampf alle Tage, alle Stunden, alle Augenblicke bis hin zum Grab, zur dunklen Gruft, wo man über unserer Leiche betet: Herr, gib ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm, Herr, lass ihn ruhen im Frieden! –

Des Menschen Feinde sind seine Hausgenossen, sagt die Heilige Schrift; unser Hausfeind aber ist die böse Natur, sagt der heilige Ambrosius, der diese Stelle erklärt. Der göttliche Fluch über die Erde: Nur Disteln und Dornen soll sie dir tragen, hat auch das Erdreich unserer Seele getroffen. Darum ist dieses Leben ein beständiges Ausjäten des Unkrautes, ein immerwährendes Ausrotten der Disteln und Dornen. Ein Feind ist unsere böse Natur:

Weil sie in uns selbst ist. Wenn mich von außen ein Feind angreift, so kann ich ihm ausweichen, ich kann vor ihm fliehen, aber ein böser Krankheitsstoff in meinem Innern, ihm kann ich nicht entgehen. Ein Feind ist unsere böse Natur:

Weil sie immer bei uns bleibt. Wenn wir einen Feind haben, so kann man sich damit trösten, dass er verreist oder von uns sich entfernt oder wir seiner durch den Tod los werden, aber dieser Feind geht nie von uns weg, reist nie fort, stirbt nicht vor uns, sondern nur mit uns. – Ein Feind ist unsere böse Natur:

Weil sie uns nie gut wird. Wenn wir einen Feind haben, so können wir mit ihm Frieden schließen, mit ihm uns versöhnen und vergleichen; aber dieser Feind ist unversöhnlich; er ist unser Feind in der Jugend, im Alter, in der Gesundheit, in der Krankheit, vor der Bekehrung, nach der Bekehrung, an jedem Ort, in jedem Stand, in jedem Alter, in jedem Kleid. –

Gegen ihn gibt es kein anderes Mittel, als den Kampf, einen fortwährenden, beständigen, immerdauernden Kampf, einen Kampf, der nur mit dem Grab endigt. Aber mit welchen Waffen müssen wir kämpfen gegen unseren Hausfeind, die böse Natur? Mit den Waffen der Furcht nd des Eifers. Von der Furcht sagt die Heilige Schrift: Wer den Herrn fürchtet, dem widerfährt nichts Böses, sondern Gott beschützt ihn in der Versuchung und erlöst ihn vom Bösen. – Wir müssen fürchten unsere eigene böse Natur, vor der wir keinen Augenblick sicher sind, dass sie uns zum Fall bringt. Eure Bekehrung, ein guter Lebenswandel, eure Frömmigkeit darf euch nicht täuschen. Wer steht, der sehe zu, dass er nicht falle. Der Mensch ist, solange er lebt, ein Kohlenfeuer mit Asche bedeckt. Wenn der Wind kommt und die Asche wegjagt, entzündet sich das Feuer wieder. Er ist wie ein Wiedergenesener, dem seine schwere Krankheit zwar geheilt ist, aber der immer die Folgen davon noch spürt. Darum beständiger Kampf mit der Waffe der Furcht. Diese Furcht ist nicht schimpflich, nein, sie ist eine Tugend, ein Edelsinn, der den besten Freund zu beleidigen, eine kindliche Liebe, die den zärtlichsten Vater zu kränken fürchtet. In Furcht und Zittern sollt ihr euer Heil wirken, ermahnt uns der heilige Paulus.

Die zweite Waffe muss die Waffe des Eifers sein. Wenn du merkst, dass deine böse Natur dich zum früheren Leben hinabzieht, dass du lau, leichtsinnig und träge wirst, dann musst du mit neuen Kräften, mit neuem Mut wieder anfangen und dich zu begeistern suchen, denn sonst bist du verloren. Nimm die Waffe des Eifers in die Hand. Beim täglichen Morgengebet rufe dir zu, wie jener tapfere Feldherr seinen Soldaten: Vorwärts, vorwärts, seht ihr die schöne Stadt, unser soll sie werden, vielleicht ist dies der letzte Kampf, darum lasst den Mut nicht sinken, vorwärts, vorwärts!

Öfter am Tag sollen wir die guten Vorsätze erneuern. Alle Jahre kommen die Schwalben, alle Frühlinge kommen die Blumen, alle Tage geht die Sonne aufs Neue auf, also sollen auch wir uns alle Tage und Stunden in unseren Vorsätzen stärken. – Dann betet, liebe Christen, betet, sonst seid ihr verloren. Heute lasst ihr ein Vaterunser aus, morgen zwei, übermorgen drei; heute die Hälfte eures Gebetes, die nächste Woche euer ganzes Gebet und so werdet ihr in Kurzem ohne Gebet sein, aber auch ohne Liebe Gottes, ohne Furcht, Gnade und Segen Gottes. – Wenn ihr ermüden wollt im Kampf, blickt auf die herrlichen Beispiele, schaut auf Jesus im Ölgarten, wie er, obwohl seine Seele betrübt war bis zum Tod, nicht nachließ im Gebet, seht auf Maria, deren ganzes Leben ein Kampfesleben gewesen ist, betrachtet die Martyrer, wie unermüdlich sie für das Heil ihrer Seele kämpften! –

Im Jahr 1456 brach Mohamed, der türkische Kaiser, in Ungarn ein, rückte mit 150 000 Mann vor die Stadt Stuhlweißenburg und belagerten sie mit Sturm. Am Festtag der heiligen Magdalena fing das Stürmen und Wüten an, das 20 Stunden ununterbrochen fortdauerte, bis endlich die Christen so ermattet wurden und beim Kampf nachließen, dass die Türken haufenweise in die Stadt drangen und schon auf allen Gassen Viktoria schrien. Als der heilige Johannes Capistran, der das christliche Heer begleitete, dies sah, nahm er ein Kruzifix in die Hand, zeigte es den Christen und rief mit lauter Stimme: O mein Gott, befreie dein Volk, das du durch dein kostbares Blut erlöst hast, hilf uns, damit die Türken nicht sagen: Wo ist der Gott der Christen. Auf diese Worte kam neuer Mut in die Christen und sie schlugen die Türken wieder aus der Stadt, verfolgten sie acht Meilen weit und besiegten sie gänzlich. – So lasst euch, liebe Christen, zu neuem Mut durch Gottes Wort, das durch meinen Mund euch verkündet wird, begeistern zum Kampf, der unser ganzes Leben dauert und nur mit dem Tod endet! Der Himmel, dieses Kampfes Ziel, ist alles wert! O allerseligste Jungfrau Maria, verleihe uns zum Wappen die Blume Rittersporn, lass unsere Herzen im ritterlichen Kampf nicht ermüden! Amen.

 

Unser Weg geht über Stein und Dorn,

Denn dies Leben ist ein Streit, ein Krieg,

Wähle dir zum Wappen Rittersporn,

Der dir sagt: Nur der Kampf bringt Sieg!

Unaussprechlich groß ist jener Preis,

Den der Herr zum Lohne uns beschert,

Deshalb ist der Kampf um ihn so heiß,

Denn der Himmel, der ist alles wert!