XI. Maiandacht - Kornblume

 

Der tapfere Kurfürst Max Emanuel rief bei der Eroberung von Belgrad, indem er als der erste voranstürmte: Mir nach, Bayern, mir nach! – Dies war ein irdischer Fürst, aber auch ein himmlischer Herr, der König aller Könige, Jesus Christus, ruft den Seinigen zu: Folgt mir nach! – Werden wir, liebe Christen, diesem Ruf folgen, so schnell, so gehorsam, so pünktlich wie Matthäus, von dem es heißt: Christus sprach zu ihm: Folge mir nach! Da stand er auf und folgte ihm nach. – Um es zu können, lasst uns die Nachfolge Christi näher betrachten, und zwar in ihrem Sinnbild der Kornblume.

Die Kornblume hat einen ganz rauen Kelch, und dies zeigt auf die Schwierigkeit, die die Nachfolge Christi dem sinnlichen Menschen, dem fleischlich gesinnten Christen macht und die in den Worten ausgedrückt ist: Rau ist der Weg und eng die Pforte, die zum Heil führt. Die Gesetze Gottes, die Gebote der Kirche, die evangelischen Räte, dieses scheinbare Joch hält viele von der Nachfolge Christi zurück, obwohl der Herr selbst sagt: Mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht. Wie kann aber eine Last süß sein? – Weil Gott selbst sie erleichtert, wie er durch den Propheten verheißen hat: Ich will ihnen sein, als einer, der ihnen das Joch über die Schultern emporhebt. – Wenn der Dornbusch in Flammen stand und doch nicht verbrannte, weil der Herr sich in ihm befand, so ist es auch nicht verwunderlich, dass eine Bürde leicht ist, da sich ebenfalls der Herr in ihr befindet und sie uns tragen hilft. – O ihr Simon von Cyrene, die ihr nur gezwungen dem Herrn nachfolgt, gerade die Vernunft, womit ihr die strengen, christlichen Grundsätze zu eurer Entschuldigung zu lockern sucht, ist eure Anklägerin. – Ist es nicht vernünftig, dass, wenn der Meister die dornenvolle Bahn gegangen ist, auch die Schüler sie gehen müssen? Oder sollen die Knechte sich mir Rosen kränzen, während der Herr eine Dornenkrone trägt? – Ist es nicht vernünftig, dass etwas so Großes und Erhabenes wie die Tugend, dass ein so herrlicher und ewiger Lohn wie der Himmel nur mit Mühe und viel Kampf errungen werden kann? – Was lässt sich der irdische Liebhaber nicht alles gefallen, welche Lasten und Beschwerden nimmt er freiwillig und gerne auf sich? – Welchem fürstlichem Joch von Etikette, Anstandsregeln, Höflichkeitsvorschriften, Gesetzen des guten Tones, Humanitätsrücksichten unterwirft sich der Weltmensch willig, um sich die Gunst elender Menschen zu erbetteln, und die kurze Zeit seines Daseins dem Phantom einer falschen Aufklärung zu huldigen! – Für Jesus ist aber jeder Schritt zu viel, ist jeder Dienst zu anstrengend! – Wir aber, liebe Christen, wollen unserer gesunden Vernunft folgen und unseren Geist freudig unter das Gesetz Christi beugen, das allein den Menschen frei macht, und nachfolgen Jesus Christus auf dem rauen und dornenvollen Weg, der zum Licht führt, denn wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finstern, spricht der Herr.

Die Kornblume blüht nicht auf offenen Straßen, auf Wiesen, im Garten, sie blüht in Getreidefeldern verborgen, gleichsam versteckt. Christus lebte dreißig Jahre zurückgezogen, und nur drei Jahre trat er öffentlich auf. Wenn wir also dem Herrn nachfolgen wollen, müssen wir auch das stille, zurückgezogene, einsame Leben lieben. – Ja, wie kann ich das bei meiner umfangreichen Arbeit, sagst du, bei meiner Familie tun? – Darauf gebe ich dir die Antwort, die der heilige Thomas von Aquin seiner Schwester gegeben hat, die ihn fragte: Wie man sicher selig werden könne? Volendo, wenn du nur willst, dann kannst du! – Kannst du nicht nach dem Rat der heiligen Magdalena von Pazzi in deinem Herzen dir ein stilles Kämmerlein vorbehalten, wohin du dich im Gewühl deiner Geschäfte hie und da, wenn auch nur auf kurze Zeit, in die Einsamkeit zurückziehst und vor der Welt verbirgst? – Kannst du nicht die vielen Besuche, Zusammenkünfte und Unterhaltungen, wenn auch nicht ganz meiden, doch wenigstens mindern und abkürzen, die unnützen, unnotwendigen, zeitraubenden und geisttötenden Gespräche aufgeben? – Wo viele Worte, ist wenig Geist, sagt der heilige Ignatius. Im Stillschweigen und in der Hoffnung wirst du deine Seele bewahren, spricht der Heilige Geist. – In den Niederlanden lebte einst ein großer Diener Gottes mit Namen Rudolphus, der sechszehn ganze Jahre das strengste Stillschweigen hielt. Als einst in der Stadt, die er bewohnte, Feuer ausbrach und auf furchtbare Weise um sich griff, da liefen die verzweifelnden Einwohner zu dem Mann, der im großen Ruf der Heiligkeit stand, und beschworen ihn auf die rührendste Weise, doch ihnen zu Liebe sein Schweigen zu brechen und dem Feuer Einhalt zu befehlen. Der Mann Gottes ließ sich bewegen, ging zum Feuer hin und sprach die zwei Worte: Halt Feuer! – Und das Feuer erlosch, und die Stadt war gerettet! – Je zurückgezogener du lebst, allein nur für Gott und deine Pflicht, jedes sündhafte und unnütze Wort durch strenges Stillschweigen meidend, - desto mehr Kraft hat deine Ermahnung, o Vater, desto mehr Segen hat dein Wort, o Mutter, desto mehr Wirkung hat dein Gebet, o Christ! Gleich jenem einzigen Wort: Es werde! – und Himmel und Erde erstanden, gleich jenem einzigen Wort: Ich bin es! – und alle Gegner des Herrn fielen wie tot zur Erde nieder.

Die Kornblume wächst in Getreidefeldern, in Korn- und Weizenäckern. Aus dem Weizen wird das Gnadenbrot bereitet, das durch die göttlichen Worte: Das ist mein Leib, zum Leib des Herrn, zur Seelenspeise uns wird, zum allerheiligsten Sakrament. – Soll ich euch, liebe Christen, noch ermahnen, dass ihr eurem Eifer im Besuch der Maiandacht dadurch die Krone aufsetzt, dass ihr nach der Vorschrift der heiligen Kirche, um den Ablass der Maiandacht zu gewinnen, mit Andacht den in der heiligen Kommunion empfangen sollt, den Maria unter ihrem Herzen getragen und an ihrem Herzen genährt hat? Ihr könnt Maria keine größere Freude bereiten. Und wie es keine innigere Vereinigung mit Jesus Christus gibt, als in der heiligen Kommunion, so auch keine unauflöslichere Verbindung mit Maria, denn Jesus, den ihr empfangt, ist Fleisch von ihrem Fleisch, Blut von ihrem Blut, Gebein von ihrem Gebein! –

Die Kornblume kommt, ohne gesät zu werden. Der Landmann streut nur den Samen zum Korn oder Weizen aus, und doch erfreut alle Jahre eine große Menge Kornblumen sein Auge, und schmückt seinen Hut und seine Hütte. – Das bedeutet: Folge du nur Jesus nach durch treue und gewissenhafte Erfüllung deiner Standes- und Berufspflichten. Die Freuden kommen dann von selbst. Den Trost und Frieden schenkt dir der Herr dann obendrein! – Die Hand des Herrn ist ein fruchtbarer Acker; was man hineingibt, gibt er hundertfältig zurück, sagt der heilige Ignatius. – Die Welt ist ein Dornenstrauch, an dem nur eine einzige Rose blüht – der treuen Pflichterfüllung Trost – alle anderen Freuden schwinden schnell dahin, nur diese Freude dauert, nur dieser Trost bleibt bis zum Grab, bis über das Grab hinüber, wo er sich in einen ewigen Trost des Himmels verwandelt! –

Die Kornblume ist blau. Blau ist die Farbe des Mantels Mariens, es erinnert uns an die Mutter Gottes. Nennt mir eine Zeit, wo die Mutter Gottes ihrem göttlichen Sohn nicht nachgefolgt ist! Heißt es nicht in der Heiligen Schrift von ihr: Und sie bewahrte all diese Worte in ihrem Herzen, und sagt nicht der heilige Anselm: Wie Maria unter allen erschaffenen Wesen das erhabenste ist, so ist sie auch die getreueste Nachfolgerin Jesu Christi gewesen und sein vollendetstes Abbild! – Lieben wir also Maria, so müssen wir, gleich ihr, Jesus Christus nachfolgen! – Blau ist die Farbe der Treue. Erinnert euch an den Schwur, den ihr abgelegt habt beim heiligen Sakrament der Firmung: Jesus treu zu bleiben bis in den Tod, was ist er anders gewesen als das öffentliche Bekenntnis der Nachfolge Christi? – Das Leben des Erlösers sei daher der Spiegel für unser Leben. Bei allem, was wir reden, tun und unternehmen, wollen wir uns zuerst fragen: Wie würde hier Jesus gesprochen, gehandelt und sich entschieden haben. Christus soll gehört werden auf deiner Zunge, Christus soll gesehen werden in deinem Leben, Christus im Herzen, Christus im Mund, wie der heilige Petrus Damiani sagt, damit man auch einst von uns sagen könne, was man von dem heiligen Thomas von Villanova sagte: Man konnte das Evangelium besser an dem Heiligen lesen, als aus einem Buch. – Blau ist die Farbe des Himmels, des Lohnes der treuen Nachfolge Jesu, und weil wir alle in den Himmel kommen und selig werden wollen, so lasst uns die himmlische Kornblume, die allerseligste Jungfrau Maria bitten, dass sie uns die Gnade erflehen wolle, nicht zu ermüden in der Nachfolge Christi, bis wir einst an Jesus und ihrem Mutterherzen ausruhen können auf ewig. Amen.

 

Dem Herrn zu folgen, welch ein edles Streben,

O lasst erringen uns dies höchste Ziel!

Dem Heiland nach durch unser ganzes Leben,

Wenn es auch Mühe kostet noch so viel! –

O selig dann, wenn wir am Lebensende

Den Herrn erreicht, im Himmel bei Ihm sind! –

Um diese Gnade hebt empor die Hände

Zu Dir, Maria, inniglich Dein Kind!