III. Maiandacht - Efeu

 

Der Efeu ist jenes Gewächs, das sich mit seinen dunkelgrünen spitzigen Blättern an Mauern emporrankt, alte Eichen umschlingt und fest umklammert. Eben dieses Emporragen aber und dieses innige Anschließen an seine Stütze hat es zum Sinnbild der Hoffnung gemacht.

Die allerseligste Jungfrau Maria nennt sich selbst eine Mutter der heiligen Hoffnung: „Ich bin eine Mutter der heiligen Hoffnung“, und darum kann man mit Recht sie mit dem Efeu vergleichen.

Der Efeu sucht sich immer eine Stütze, wächst an Bäumen oder Mauern empor und hält sich daran fest. So sehen wir auch Maria nie allein, immer ist sie bei ihrem Gott, der zugleich ihr Sohn ist. Ihre Stütze und ihre Hilfe, ihr Rat und Trost ist nur allein Jesus, auf ihn vertraut und hofft sie in jeder Lage, denn sie weiß, dass die, die auf den Herrn vertrauen, niemals zu Schanden werden. Als sie Jesus im Tempel verloren hatte, sucht sie keinen Trost bei den Menschen, sondern mit zuversichtlichem Vertrauen hofft sie das Wiederfinden. Sie wurde auch nicht getäuscht. Sie fand ihr geliebtes Kind, das sie suchte. –

Als Jesus am Kreuz gestorben war, ließ sie sich nicht hinreißen vom Schmerz und trösten von den Menschen; nein, ruhig und gottergeben hoffte sie auf den Herrn, der bald darauf ihr Vertrauen durch seine wunderbare Erscheinung belohnte. – So sollen auch wir nach dem Beispiel Mariens nur auf Gott vertrauen und nicht auf die Menschen. – Wer auf Menschen sein Vertrauen setzt, sagt die heilige Theresia, stützt sich auf einen gebrochenen Stab. Ranken wir uns auf am göttlichen Herzen Jesu, umklammern wir es fest mit den Armen heiliger Hoffnung und kindlichen Vertrauens und graben wir uns das göttliche Wort als einen Grundsatz unseres Lebens tief ins Herz: Wer auf Gott vertraut, wird in Ewigkeit nicht zu Schanden!

Der Efeu behält seine Farbe im Sommer und im Winter; so unveränderlich war auch die Hoffnung der allerseligsten Jungfrau Maria; nichts konnte sie erschüttern; ja gerade in jenen Augenblicken, wo alles dazu beitrug, ihr Vertrauen wankend zu machen, hoffte sie standhaft. Als sie Jesus arm und verlassen wie einen Missetäter am Kreuz sterben sah, stand sie mit zuversichtlichem Vertrauen nah bei ihm, denn sie hoffte fest und unerschütterlich, wie der heilige Ambrosius sagt, die Rettung der Welt und die Erlösung der Menschheit, die, wie sie wusste, mittels seines Todes bewirkt werden musste. So sollen auch wir hierin der Muttergottes nachahmen und desto mehr hoffen, je weniger menschlicher Weise zu hoffen ist. Die Hoffnung, sagt der selige Egydius, ist ein Kind der Nacht, das will sagen, dass die Hoffnung nur dann eine heilige, verdienstliche und belohnungswürdige Tugend sei, je düsterer, dunkler und aussichtsloser die Lage ist, in der wir uns befinden und dennoch auf Gott vertrauen. –

Der Efeu ist grün, und wie die grüne Farbe die Farbe der Hoffnung ist, so ist Maria unsere Hoffnung. Von ihr aus verbreiten sich die Strahlen der Hoffnung über die ganze Welt. Soweit der glorreiche Name ihres Sohnes den Völkern bekannt ist, ebenso weit wird sie verehrt als die Mutter der Hoffnung, indem all ihre Kinder in allen Lagen des Lebens sich an sie wenden, sie um ihre Fürbitte anrufen und sofort von ihr und durch sie von Gott Hilfe erwarten. Nur der soll, sagt der heilige Bernhard, von den Herrlichkeiten Mariens schweigen, den sie, wenn es einen gibt, in seinen Nöten verlassen hat. Nehmen wir daher unsere Zuflucht stets zu Maria, die nach Jesus unsere einzige Hoffnung ist; vertrauen wir im Unglück auf sie und nicht auf das Ansehen und Verwenden, auf die Würden und den Reichtum der Menschen, denn sie allein kann uns helfen und will uns helfen! –

Ein treuer Sohn Mariens, der heilige Eduard, König von England, schlug nichts ab, wenn man ihn im Namen der Muttergottes bat. Ebenso schlägt auch der beste Sohn der besten Mutter, Jesus, nichts ab, um was immer man ihn im Namen Mariens bittet. Darum sollst auch du, o allerseligste Jungfrau, meine Zuflucht in allen Nöten sein, dir will ich vertrauen in jeder Not und auf dich hoffen alle Tage meines Lebens. Amen.

 

Wollt ihr schauen

Das Vertrauen,

Auf Maria blicket hin!

All ihr Streben,

All ihr Leben

Hofft auf Jesus, nur auf ihn!

 

Blieb ich offen

Diesem Hoffen,

Ohne dass mein Herz je wankt,

Würd ich gleichen

Jenen Eichen,

Die von Efeu sind umrankt!

 

Lasse bauen

Mein Vertrauen

Nur auf Gott mit frommen Sinn!

Dann wird schnelle

Meine Seele

Sein ein Efeu immer grün!