II. Maiandacht - Sonnenblume

 

Weil die Sonnenblume mit ihrem großen schwarzen Kern, umrungen von gelben Blättern, das Eigentümliche hat, dass sie ihr Haupt stets der Sonne zuwendet und mit ihr sich erhebt und sich senkt, so nennt man sie nicht mit Unrecht das Bild des Glaubens.

Auch der Glaube wendet beständig seinen Blick der Sonne der göttlichen Liebe zu. Der Himmel ist es, der ihm Lebenskraft gibt und je mehr sich ihm dieses Licht entzieht, desto schwächer und matter wird er. Abraham wird in der Heiligen Schrift seines Glaubens wegen gerühmt. Größer aber noch ist Maria. Von ihr sagen die Väter, die allerseligste Jungfrau hatte mehr Glauben, als alle Menschen und Engel. Wie also Elisabeth die göttliche Mutter mit den Worten begrüßte: Selig bist Du, weil Du geglaubt hast, so können auch wir sie um ihres Glaubens wegen selig preisen, sie nennen die himmlische Sonnenblume, das schönste Vorbild des heiligen Glaubens! –

Die Sonnenblume richtet ihr Haupt beständig nach der Sonne und Maria wandte ihren gläubigen Blick in keiner Lage ihres Lebens ab von dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, von Jesus Christus. Von der Wiege bis zum Grab schaute sie auf ihn. Sie erblickte ihn im Stall zu Bethlehem und glaubte dennoch, dass er der Schöpfer Himmels und der Erde sei. Sie sah ihn verachtet am Kreuz sterben und blieb stehen, was nach den Worten des heiligen Antonin, ihr Glauben an die Gottheit Jesu bewirkte, der nie in ihrem Herzen wankte. Blicken auch wir mit Maria beständig auf Jesus, betrachten wir recht oft mit gläubigem Blick das Kruzifix, dann wird unser Glaube immer fester und unser Leben ein Leben des Glaubens werden. „Mein Gerechter aber lebt aus dem Glauben.“

Die Sonnenblume erhebt mit Freude ihr Haupt, sobald die Sonne am Himmel erscheint. Auch Maria findet im Glauben ihre Freude. Kaum hat Elisabeth sie seliggepriesen um ihres Glaubens willen, als sie im heiligen Entzücken anstimmt den Freudengesang: „Hoch preise meine Seele den Herrn!“ – So sollen auch wir uns freuen bei dem Gedanken, Kinder der wahren Kirche zu sein, ein Gedanke, der die Heiligen selbst am Sterbebett noch mit unaussprechlichem Trost erfüllte. In Kreuz und Leiden, sagt der heilige Franz von Sales, gibt es keinen freudigeren Trost, als die Erinnerung, ein Sohn jener Mutter zu sein, in deren Schoß gut leben und gut sterben ist. –

Die Sonnenblume folgt dankbar jenem Licht nach, das ihr Wärme und Lebenskraft gibt und neigt traurig ihr Haupt, wenn die Sonne verschwindet. So folgte Maria, nachdem sie nach dem Zeugnis des Euthymius von Jesus selbst im Jordan getauft worden war, ihrem Sohn dankbar überall nach. Sie hatte ihm dreißig Jahre lang fromm gedient im Land des Fremdlings und im Vaterland. Sie hatte für ihn gearbeitet, über ihn geweint, für ihn gelitten. Sie hatte ihn ohne jemals auszusetzen am Morgen und am Abend angebetet. Es ist natürlich, dass sie ihr friedliches Dach verließ, um in dankbarer Liebe den gesegneten Fußstapfen ihres Sohnes zu folgen, wie er auch den Völkern das Glaubenslicht brachte. Und als er am Kreuz starb, da sehnte sie sich, aus diesem Tränental zu scheiden. So sollen auch wir Gott danken für den heiligen Glauben, der nach den Worten der Väter die Größte aller Gnaden ist. Wir sollen mit der heiligen Theresia in unserem Morgen- und Abendgebet den Dank für die Gnade des Glaubens niemals vergessen. Wir sollen öfters nach dem Beispiel des heiligen Philipp Neri den Glauben an Gott mit Andacht beten und besonders wie Maria unseren Dank für die Gnade des Glaubens dadurch beweisen, dass wir in dankbarer Liebe dem Geber dieser Gnade überallhin nachfolgen. Der Glaube lehrt uns, Jesus Christus ist im allerheiligsten Sakrament zugegen. Dorthin also sollen wir uns, wie die Sonnenblume zum Licht der Sonne, beständig wenden und mögen wir schlafen oder wachen, zu Hause oder bei der Arbeit sein, soll unser Herz und unser Auge immerwährend dorthin gerichtet sein, wo wir eine Kirche mit dem Allerheiligsten wissen.

Lass, o allerseligste Jungfrau, unseren Glauben dem deinigen ähnlich werden, dann wird auch unser Herz der Sonnenblume gleichen. Erbitte uns die Gnade, dass wir in allen Lagen unseres Lebens auf Jesus schauen und unseren Glauben durch sein Beispiel stärken, dass wir in der Erinnerung an unseren Glauben von heiliger Freude erfüllt uns gedrängt fühlen, hinzueilen zu Jesus, um ihm für dies unaussprechliche Glück zu danken. Amen.

 

Sei mir im Heiligtume

Des Herzens Hochaltar;

Du Bild der Sonnenblume,

Mein Glaube wunderbar!

Maria, mir ihn stärke,

Dass ich ihn zeig im Werke,

Maria, Maria, o Maria Hilf!

 

Und gleich der Blume kehre

Mein Auge sonnenwärts,

Dass sich mein Glauben mehre

In Freude wie in Schmerz.

Mein Herz auf Jesus richte,

Dann bringt mein Glauben Früchte

Maria, Maria, o Maria hilf!

 

Am öftesten doch wende

Dort meinen Glauben hin,

Wo Gott im Sakramente

Selbst will begeistern ihn!

Bewahr dem Herrn zum Ruhme

In mir die Sonnenblume!

Maria, Maria, o Maria hilf!