Wonne der Andacht

 

Seligste der Erdenstunden,

Wenn der Geist zu Gott sich schwingt!

Ganz mit Herrlichkeit umringt

Hat dich meine Seel` empfunden,

Wenn sie, sinnend, fern und nah

Gottes ew`ge Liebe sah!

 

Schmückte sie nicht unsre Fluren?

Schmückte sie den Himmel nicht

Mit dem Sonn`n- und Sternenlicht,

Mit den glänzenden Naturen,

Wo in Gottes Wiederschein

Sich die höhern Geister freun?

 

Stattete nicht zum Genusse

Gottes Huld dies Erdental,

Wie zu einem Liebesmahl

Aus mit einem Überflusse,

Welcher, unversiegbar mild,

Aus des Lebens Urnen quillt?

 

O du Wesen aller Wesen,

Deine Güt` und Herrlichkeit

Füllt das weite Reich der Zeit;

Auch der Mensch ist auserlesen,

Von der niedern Erde schon

Aufzuschaun zu deinem Thron!

 

Seligste der Lebensstunden,

Du entflammest mein Gemüt,

Meine ganze Seele glüht!

Diese Erd` ist mir entschwunden,

Vorgefühl der Himmelslust

Füllt und hebet meine Brust!

 

Elise von der Recke