Wallfahrt

 

Freue dich der Lebensreise

In des Staubes Pilgerkleid;

Sing Psalmen, dem zum Preise,

Der dich führt durch Freud` und Leid!

Atme froh den frischen Morgen!

Wenn die Sonn` im Mittag steht,

Halt` im Schatten dich verborgen,

Bis des Abends Kühlung weht!

 

Jede stille Nachtherberge

Stärke deinen Pilgerfuß,

Bis dich einst die Heimat berge

In der Wonne Vollgenuss!

Führt der Weg durch Dornenhecken,

Tröste dich der sanftern Bahn;

Drohen dir des Abgrunds Schrecken:

Mut! der Pfad steigt himmelan.

 

Ist ein steiler Berg erklommen,

Lohnt der Aussicht Herrlichkeit!

Ist der Umblick dir benommen,

Reizt des Tales Farbenkleid!

Blumen säume nicht zu pflücken,

Freundlich lacht ihr bunter Glanz,

Ihre süßen Düft` erquicken:

Sammle sie zum Erntekranz!

 

Doch das Ziel behalt` im Auge!

Meide langen Aufenthalt;

Aus der Lust der Reise sauge

Kraft, die ernst zur Heimat wallt!

Fühlest du zuletzt dich müde –

Sei getrost, das Ziel ist nah!

Schon umweht dich ew`ger Friede:

Wenig Schritt` - und du bist da!

 

Wird dir`s Reisekleid beschwerlich,

Hör` des Vaters Ruf: „Zieh`s aus!

Abgebraucht ist`s und entbehrlich,

Leg` es ab, du bist zu Haus!

Gib den Leib zurück zur Erde,

Seele, Kind der Herrlichkeit,

Frei von Kummer und Beschwerde,

Trink` den Kelch der Seligkeit!“

 

Johann Baptist von Albertini