Stabat Mater speciosa

 

An der Kripp` in Mutterwonne

Stand der Jungfrau`n schönste Sonne,

Als das holde Kindlein schlief;

Und durch ihre freudetrunk`ne,

Ganz in Liebesglut versunk`ne

Seele drang der Jubel tief.

O wie ströhmt die Freudenquelle

Durch die unbefleckte Seele

Dieser Jungfrau-Mutter hin!

Welch ein himmlisches Entzücken

Strahlt aus allen ihren Blicken

Auf das Gotteskindlein hin!

Wer vermag wohl ohn` Entzücken

Christi Mutter anzublicken

In so süßem Himmelstrost?

Wer bleibt ohne Wonneträne,

Schaut er an die Freudenszene,

Wie ihr Kindlein sie liebkost?

Ob der Menschheit tiefem Falle

Sieht sie Jesum hier im Stalle,

In des Frostes scharfer Pein;

Aber trotz der Kindheit Wimmern,

In zerfall`nen Stallestrümmern

Dennoch angebetet sein.

Gottes Engel steigen nieder,

Singen frohe Jubellieder

Ob dem Stalle in der Nacht;

Greis und Jungfrau stehen schweigend,

Mit dem Herzen niedersteigend

In des Wunders tiefen Schacht.

Mutter, Quell der heil`gen Liebe,

Senke deiner Inbrunst Triebe

Tief, recht tief, mir in das Herz!

Fülle es mit Liebesgluten

Und lenk alle seine Fluten

Gottgefällig himmelwärts!

Dies ist mir die liebste Gabe:

In mein Herz, o Mutter, grabe

Tiefe Liebeswunden ein,

Und mit deinem Himmelssohne,

Der die Streu gewählt zum Throne,

Lass mich teilen alle Pein!

Deine Freud` ich nur verlange,

Dass ich an dem Kindlein hange

Meine Lebenstage all`.

Lass mich liebend dir zu Füßen

Stets voll Freud` dein Knäblein grüßen

Hier im öden Jammertal!

Mach, dass jeder so sich sehne,

Und dass ganz mein Herz gewöhne

Diese heil`ge Sehnsuchtsqual!

Hohe Jungfrau der Jungfrauen,

Wehr` mich nicht, dein Kind zu schauen;

Lass mich`s drücken fest an mich!

Lass mich`s tragen dieses Kindlein,

Das den Tod besiegt in Windlein,

Da es sterben will für mich!

Lass mit dir mich Wonne tauschen,

In dem Kindlein mich berauschen

Jubelnd in Begeisterung!

Vor der Liebe Glutempfinden

Fühl` ich alle Sinne schwinden

Ob solcher Vereinigung.

Lass das Kindlein mich bewachen,

Seine Gottheit stark mich machen,

Fest mich in der Gnade steh`n!

Und wenn einst der Leib verweset,

Lass die Seele dann erlöset

Deines Sohnes Antlitz seh`n!

 

P. N.