Ruhe der Unschuld

 

Hoch, wie die Sonne über Wolken steht

Und ihre Bahn frei durch die Himmel geht,

So wandelt still die Tugend ihre Bahn;

Mag auch ein Sturm sich ihren Höhen nahn,

Und wär ein Weltall gegen sie vereint:

Gott ist ihr Freund!

 

Im lichten Glanz lacht dort die Sternenflur,

Das Dunkel deckt der Erde Täler nur;

So schimmert hell, von keiner Zeit geraubt,

Verklärungsschein um frommer Tugend Haupt;

Und wenn kein Strahl der Prüfung Nacht durchbricht:

Gott ist ihr Licht!

 

Das Dunkel weicht, und aus dem Schoß der Nacht

Hebt sich der Tag in neuverjüngter Pracht;

So tritt, begrüßt von holder Engel Chor,

Die Unschuld aus der Trübsal einst hervor.

Drum bebt sie nicht, ob auch die Träne quillt:

Gott ist ihr Schild!

 

Die Sonne führt des Unerschaffnen Hand,

Der wie ein Zelt die Himmel ausgespannt;

So folgt getrost der Vorsicht weisem Rat

Die Unschuld auch, selbst auf dem Dornenpfad,

Treu jeder Pflicht; mag Hass und Bosheit drohn:

Gott ist ihr Lohn!

 

Ch. Ch. Hohlfeldt