Marienpreis

 

Nicht im Lärm der lauten Welt

Willst den Deinen du erscheinen;

Nicht der Fürst und nicht der Held

Sind die liebsten dir der Deinen.

 

Die du liebst und gern besuchst,

Müssen, selbst im Krongeschmeide,

Weil du Gott im Arme trägst,

Vor dir steh`n im Demutskleide.

 

Demut war auch dein Gewand,

Und doch war von allen Frauen

Keine in dem Erdenland

Je so groß wie du zu schauen.

 

Demut war auch dein Gewand,

Und doch war`s der Herr der Erde,

Den du trugst ins fremde Land,

Duldend rascher Flucht Beschwerde.

 

Demut war dein einzig Kleid,

Dir das liebste, wert von allen;

Und in ihm bei Freud` und Leid

Hast du Gott allein gefallen.

 

Drum, man dich begrüßen will,

Muss im Kleid der Demut kommen,

Betend, kniend, bittend, still,

Und von tiefer Reu` beklommen.

 

Und wen du besuchen willst,

Muss zur Kammer beten gehen,

Dass du ihm die Sehnsucht stillst

Und versüßest ihm die Wehen.

 

Nicht im Lärm der lauten Welt

Willst besuchen du die Deinen;

Fürst und Bettler, gleich gestellt,

Soll`n im gleichen Kleid erscheinen.

 

Beiden willst du Mutter sein,

Kron` und Purpur sind vergänglich;

Für der Demut Fleh`n allein

Ist dein Mutterherz empfänglich.

 

Darum lehr` die Demut mich,

Lehr` den Fürsten sie und Armen,

Dass bei dir sie brüderlich

Liebe suchen und Erbarmen!

 

Dr. Helle