Lichte Aussicht

 

Es schwindet das Leben im Wechsel der Zeiten!

Wer mag wohl die dämmernde Zukunft uns deuten?

Wann tauscht sich in Klarheit der forschende Blick?

Wer zieht uns den bergenden Vorhang zurück?

Das sterbliche Auge durchschauet ihn nimmer,

Und was es erspäht, ist ein trüglicher Schimmer!

 

Doch stillt sich auch nie hier das innige Sehnen

Und wechseln sie immer die irdischen Szenen,

Höhnt oft die Erwartung mit täuschendem Spiel:

Der Glaube sieht dennoch ein glänzendes Ziel;

Mag schnell auch das flüchtige Leben verrinnen,

Ein schöneres Dasein muss dort ja beginnen!

 

Lass immer verwelken, was lieblich hier blühet,

Lass immer verlodern, was flammend hier glühet,

Ob alles entschwindet, ob alles auch fällt:

Ein glänzender Strahl doch das Dunkel erhellt;

Mag Tod hier die Bande der Liebe zerreißen:

Ein Wiedersehn ward uns ja jenseits verheißen!

 

Auguste Kühn