Glaube

 

Wem einmal nur ist aufgegangen

Das Licht, das von dem Himmel scheint,

Wer einmal nur den Geist empfangen,

Der ihn mit Jesus Christus eint;

Den zieht ein unnennbares Sehnen,

Den fasst ein wunderbarer Drang,

Bis er mit Jubel und in Tränen

Des Heiles Krone sich errang.

 

Wer einmal nur hat glauben können,

Dass Gott zu uns hernieder kam,

Dem muss das Herz vor Freude brennen,

Vor Lust vergehen oder Scham:

Dem muss es helle sein auf Erden.

In Christi Glauben hat er Ruh`,

Und alle Mühsal und Beschwerden

Deckt Jesu Liebe freundlich zu.

 

Denn Gott ward Mensch, um uns zu retten,

Ein armer Mensch der ew`ge Gott!

Er nahm von uns der Sünde Ketten,

Und von uns litt er Hohn und Spott;

Wir haben ihn an`s Kreuz geschlagen,

Und er litt für uns Schmach und Not;

Der Gnad` um Gnad` zu uns getragen,

Dem gaben wir den Kreuzestod!

 

Wer kann in diesen Abgrund schauen,

Der Liebe Abgrund, unfassbar,

Und nimmt mit Zittern nicht und Grauen

Die Größe der Verschuldung wahr?

Wer kann in diese Sonne blicken,

Der Liebe Sonn`, so gnadenreich,

Und möchte` vor Scham nicht und Entzücken

Wie weiches Wachs zerschmelzen gleich?

 

Du Meer der Liebe, ausgegossen,

So weit auch Erd` und Himmel reicht,

Du Strahl, der Liebe ausgeflossen,

Der auch den härt`sten Sinn erweicht!

So weit ich schaue, keine Grenzen,

So weit ich fühle, keine Kält`;

In Herrlichkeit seh` ich erglänzen

Die große, weite, ganze Welt.

 

O! wer kann in dein Antlitz sehen,

Auf dem des Himmels Glorie wohnt,

Und möchte` in Liebe nicht vergehen,

Wenn ihm dein sanftes Lächeln lohnt;

Wem hat dein Ruf in`s Herz geklungen,

So recht in`s tiefste Herz hinein,

Und ist nicht alsbald aufgesprungen,

Und hat gerufen: „Ich bin dein!“?

 

Doch, was bin ich? Ich bin ein Schatten,

Der ruhlos hin- und wiederfährt;

Mit deinem Licht möchte ich mich gatten,

Und werde nie von ihm verzehrt;

Ich möchte deine Liebe trinken,

Ich möchte deiner würdig sein –

Doch seh` ich Erdenschimmer blinken,

Fährt mir die Sünde durch`s Gebein!

 

Herr! du mein Leben, du mein Hoffen,

Du meiner Wünsche höchstes Ziel –

Ich lieg` vor dir – mein Herz ist offen –

O, dass hinein dein Lächeln fiel!

O, brenn` mich aus mit deinem Feuer,

O, mach` zu deiner Wohnung mich,

Und ewig bin ich dein Getreuer,

Und ewig, ewig lieb` ich dich!

 

Eduard Vogt