Gebet und Fürbitte

 

Es gleicht dem Eimer das Gebet,

Der in des Brunnens Tiefe geht,

Der, wenn er voll, sich wieder hebt,

Den Durstenden erquickt, belebt.

 

Ohn` Unterlass senk` ihn hinab,

Dass immer frischer Trunk dich lab`;

Und hältst du dein Gefäß recht rein,

Wird jeder Zug dir Labsal sein.

 

Und nimmst du eines Pilgers wahr,

Der nicht erkennt die Quelle klar,

Des Tages Hitze krank erlag,

Nicht selber mehr dort schöpfen mag:

 

O senk den Eimer du für ihn

Und halt ihm deine Fülle hin;

Der Brunn ist ja so weit, so voll,

Dass keiner ganz verschmachten soll.

 

Je mehr du schöpfst, je mehr du trinkst,

Je mehr du deinen Brüdern bringst:

Nur immer höher, höher schwillt

Die Flut, die unerschöpflich quillt!

 

 

Carl Steiger