Frage

 

Wer schlug dir ans Kreuz die segnende Hand,

Dass sie, ach! des Weh`s so Bitt`res empfand?

 

Das Herz, wer zerriss tief dir es und weit,

Asyl mir zu sein in Kummer und Leid?

 

Die Füße, wer hält so eisern sie fest

Am blutigen Stamm, der nimmer sie lässt?

 

Wer wand dir um`s Haupt den dornigen Kranz?

Im Auge, wer trübt den göttlichen Glanz?

 

Mit Galle, wer netzt den lechzenden Mund?

Wer schlug dir den Leib so weh, ach! und wund?

 

Wer ist`s, der gebot, am Kreuze so lang

Sollst hangen für mich, zum Tode so bang? - -

 

Was fragst du noch, Kind, - wer konnte es sein,

Als glühende Lieb` für dich nur allein?

 

Und war es die Lieb`, die Liebe zu mir,

So geb` ich mich hin als Opfer dafür! - -

 

Die Gabe ist arm, das Opfer so klein,

Wer nimmt es mir an, wer segnet es ein?

 

Auf Golgatha dort kein Tempel noch steht,

Der Priester, er fehlt zum Weihegebet. –

 

Maria! ich seh` beim Kreuze dich steh`n.

Im Leide so hehr, in Tränen so schön.

 

In Demut gebeugt bring` ich mich dir dar;

Priester sei du mir, du Opferaltar!

 

Legst mit der Hand, du, so heilig, so rein,

Ihm mich ins Herz, tief ins wunde hinein,

 

So hoff` ich, er nimmt doch mit gnädigem Blick

Dies Opfer; von dir nicht weis`t er`s zurück.

 

Und dann bin ich sein, bin ewig bei euch,

Durch dich stets bei Ihm, so glücklich! so reich!