Ein bekanntes Haus

 

Nichts ist so traurig, als ein Haus zu sehen,

Das wir einst sahn von Freundesnäh` verschönt,

Wenn in das Haus nun fremde Menschen gehen,

Und fremder Stimmen Schall drin wiedertönt!

 

Von außen ist`s dasselbe, ganz so heiter,

So heimisch schaun uns noch die Fenster an; -

Doch geht gesenkten Blicks man trübe weiter,

Weil man den alten Gruß nicht finden kann!

 

Versucht man auch den Wahn noch festzuhalten,

Zu täuschen sich im stillen Sehnsuchtsflug –

So stören fremd unheimliche Gestalten

Nur allzuschnell den tröstenden Betrug:

 

Es ist, - als wollt` das Haus uns peinlich quälen

Mit seines Äußern fröhlich-schmuckem Schein; -

Denn da, wo alte, gute Freunde fehlen,

Sollt` auch das alte Haus in Trauer sein!

 

 

Julie Gräfin von Oldofredi-Hager