Der Himmel der Erinnerung

 

Ob auch trüb dein Leben hingeflossen,

Ob auch oft, so Tag und Nacht

Durchgeängstigt, durchgewacht,

Sich der Tränen Strom ergossen:

Einmal doch in deiner Jahre Lauf

Tut gewiss sich dir der Himmel auf;

Einmal doch mit Geist und Herz im Bunde

Kam dir eine Himmelsstunde!

 

Ob der Kindheit froher Mut sie schenkte,

Ob der Jugend Morgenrot

Sie dem Herzen liebend bot,

Ob sie sich herniedersenkte

In des ernsten Strebens regem Fleiß:

Einmal trat sie in des Lebens Kreis,

Einmal, einmal in des Lebens Tagen

Hat die Hehre dir geschlagen!

 

O, wenn alles später dir erbleichet,

Sich der Grabesstille naht,

Keine Ähre aus der Saat

Der Vergeltung Korn dir reichet:

Rufe dir der schönen Stunde Glück

Ins Gedächtnis freudig nur zurück,

Und der Himmel, den sie dir gegeben,

Leuchtet wieder in dein Leben!

 

Denn der ew`ge Herr der vollen Garben

Lässet keinen, der das Feld

Dieses Lebens treu bestellt,

Bei der reichen Ernte darben:

Einen Himmel in die Menschenbrust

Goss er aus in der Erinn`rung Lust,

Und ein Himmel jenseits jener Sterne

Glänzt der Hoffnung aus der Ferne!

 

Theodor Hell