Dem lieben Christkind

 

Gegrüßt im gold`nen Sternenscheine

Sei wieder mir, du heil`ge Nacht!

Die Lieb` zu uns ist`s, die alleine

Gott hat zur Welt herabgebracht.

 

Da liegst du in der Krippe drinnen

So arm, du göttlich süßes Kind;

Die Glieder, eingehüllt in Linnen,

Sind kaum geschützt vor Winterwind.

 

Du frierst, indes an deinem Herzen

Die ganze Menschheit sich erwärmt;

An Leib und Seele fühlst du Schmerzen,

Auf dass uns keine Not mehr härmt.

 

Du kamst ja nicht in uns`re Mitte

Vom Glanz der Erde reich geschmückt,

Du wählst dir die zerfall`ne Hütte,

Wo dich nur Not und Mangel drückt.

 

Auch hast du schon in frühen Stunden,

Ja in der ersten Erdennacht,

Viel bitt`re Leiden still empfunden,

Die uns`re Sünden dir gebracht.

 

D`rum diese kleinen Händchen strecken

Sich nach den Sündern flehend aus

Und wollen alle Schuld bedecken

Und ziehen uns ins Vaterhaus.

 

O hätt` ich heute dir zu schenken

Was deiner Gottesliebe wert! –

Doch kann ich nur die Blicke senken,

Weil meiner Seel` des Schmuck`s entbehrt.

 

Lass d`rum bescheiden mich versammeln

Zu deinen Hirten auf dem Feld;

Ich will, wie sie, dir Grüße stammeln,

Weil dir das Niedrige gefällt.

 

Ich will dich liebend an mich drücken

Als meinen holden Weihnachtsgast,

Und fühle sie mit Hochentzücken

Am Herzen, diese süße Last.

 

Ich lege still und selbstvergessen

Mein Herz auf dieses harte Stroh;

Ich gebe dir, was ich besessen,

Und werde wieder gottesfroh.

 

Dann sag ich dir in heil`ger Stille,

Was dir Maria einst gesagt:

„An mir, o Herr, gescheh` dein Wille,

Mein Jesus, ich bin deine Magd!“

 

Und wenn mir deine Hand zum Feste

Auch nur das Kreuz bescheren will,

So weiß ich ja, du gibst das Beste,

Und halte dir in Demut still.

 

So leg` ich heute meine Sorgen

Und all mein tiefgeheimes Leid

In deine Krippe, still verborgen;

Dann sind sie, Herr, von dir geweiht.

 

Ergeben will ich weiter tragen

Mit dir, geliebtes Jesuskind,

Was du mir sendest, ohne Klagen,

Dass wir im Kreuz vereinigt sind.

 

Gar süß die Weihnachtsglocken klingen

Hell schallend durch die Dunkelheit,

Und lichte Engelscharen bringen

Uns Kunde von glücksel`ger Zeit.

 

Es öffnen sich die Himmelspforten,

Die Kirche singt ihr Gloria, -

Das ew`ge Wort ist Fleisch geworden,

Das Kind von Betlehem ist da!

 

Gegrüßt, du seligste der Nächte,

Die den Erlöser uns gebracht;

Ja von Geschlechte zu Geschlechte

Seist du gegrüßt, o heil`ge Nacht!