Dem Feinde

 

Wirft dich dein Feind ergrimmt mit einem Steine,

Um eine Herzenswunde dir zu schlagen:

Dann musst du seine Wut geduldig tragen,

Und gegen ihn drum hege selber keine!

 

Heb` auf den Stein, verwahr` ihn wohl im Schreine,

Vielleicht bereut er schon in wenig Tagen,

Fühlt seine Schuld recht tief im Herzen nagen;

Wenn nicht, so bleibe du der Edle, Reine! –

 

Doch will er sich ein Häuschen einst erbauen,

Und sucht nach Steinen rings in Tal und Auen:

Leg` den verwahrten auf den Platz ihm hin;

 

Die Liebesrache wird er tiefer fühlen,

Als hättest du, den ersten Zorn zu kühlen,

Den Stein geschleudert früher gegen ihn!

 

 

Rudolph Hirsch