Beruhigung

 

Ein Abend ist dem Edlen einst beschieden,

Von der Erinn`rung Rosenlicht verschönt;

Im Schatten ruhn nach langem Pfad der Müden,

Vom lauten Ruf des Lebens nicht umtönt;

In ihrer Brust wohnt Seligkeit und Frieden,

Nie welkt der Kranz, der ihre Stirne krönt;

Wer so, wie sie, des Tages Last getragen,

Hört ohne Grau`n die Vesperglocke schlagen.

 

Nur wähne nicht des Abends sich zu freuen,

Wem ungenützt der Strahl des Mittags glüht;

Wie fleißig hier des Guten Samen streuen,

Seh`n hoffnungsvoll, wie ihre Ernte blüht.

Es reift die Frucht des Himmels dem Getreuen,

Der rastlos sich, sie wohl zu pflegen, müht:

Ermatten wird er nie im edlen Streben,

Der Abend kommt, ihm reichen Lohn zu geben.

 

Und wenn sich auch die Knospe spät entfaltet,

Der Treue wankt in seiner Hoffnung nicht;

Wie drohend sich der Himmel rings gestaltet,

Ihm strahlt der Stern der frohen Zuversicht;

Der Herr der Saat, der auch im Sturme waltet,

Durchschauet ihn, und hält, was er verspricht.

Mag dem Verdienst des Glückes Schimmer weichen,

Der Abend naht, um alles auszugleichen.

 

Verstumme denn des Kummers feige Klage!

Mit Heldenmut bewaffne sich das Herz,

Gemessen ist die Spanne seiner Tage,

Gewogen hat die Vorsicht Lust und Schmerz.

Welch stiller Gram an seiner Ruhe nage,

Der Edle blickt vertrauend himmelwärts.

Sucht er am Tag der Mühen Preis vergebens:

Er glänzt ihm mild im Abendrot des Lebens!

 

Christoph Christian Hohlfeld