Behüte des anderen Glück!

 

Sind auch gebrochen deines Lebens Blüten,

Doch kehr` nicht feindlich in dich selbst zurück!

Such` sie vielmehr bei andern zu behüten, -

Du fühltest ja, wie`s tut, verblüht ein Glück!

 

Und siehst du wo ein reines Feuer glühen,

So fach` es an zu heilig schönem Brand!

Und siehst du eine Knospe still erblühen, -

O schütze sie vor unberuf`ner Hand!

 

Kurz, wo du kannst, halt` fern des Lebens Schmerzen!

Und wenn du dann, als treuer Gärtner, siehst,

Wie sich in einem teuren Menschenherzen

Der Lenz des Lebens wundersam erschließt; -

 

Dann wird in deines Herbstes trüben Tagen

Es dir ein Schimmer reinster Freude sein,

Kann sich dein Herz mit stillem Troste sagen:

„An diesem Lenz ist auch ein Anteil mein!“

 

E. F. Scherenberg