Vor dem Bild „Maria vom guten Rat“

 

Wie irrt das Menschenkind im Leben

Gar oft so ratlos hin und her:

„Kann keiner guten Rat mir geben?

Mein Aug` ist trüb, mein Herz ist schwer!

Ich weiß den Ausweg nicht zu finden

In diesem Irrgang auf der Welt;

Das Rechte möchte ich gern ergründen

Und dass die Seele Licht erhält: -

Wo find ich Rat und guten Rat?“

 

Fragst du so, arme Menschenseele?

O such` da bei der Erde nicht!

Nein, lieber dir den Himmel wähle,

Denn nur vom Himmel kommt das Licht!

Sieh` dieses Antlitz lichtumflossen,

Frag diesen Mund, er rät dir gern!

Es ist die Mutter, der entsprossen:

Erkenntnis, Weisheit, Furcht des Herrn;

Maria ist`s vom guten Rat.

 

Sie trägt auf ihren Mutterarmen

Die ew`ge Weisheit, Gott das Wort,

Und dieses bietet voll Erbarmen

Sie allen Menschen fort und fort;

Nicht einen will sie ausgeschlossen,

Der selber nicht sein Herz verschließt;

Ja jedem hat sich Licht ergossen,

Der gläubig nur und kindlich grüßt

Maria stets vom guten Rat.

 

Wenn du in Not, - sie rät dir beten,

Und wenn im Glück – dir Demut an;

Auf ihren Rat wirst du betreten

Den rechten Weg, des Heiles Bahn.

Wirst du geschmäht, sie rät dir schweigen,

Wie sie, die stille Magd des Herrn; -

Sie rät dir unter`s Kreuz dich beugen

Sanft und geduldig, still und Gern;

O Seele, folg` dem guten Rat!

 

Wenn du in allen Lebenslagen

Zu dieser Mutter gehst um Rat,

So wirst du stets voll Freude sagen,

Wie recht sie es getroffen hat.

Frag` nicht dein Herz, - denn dieses möchte,

Dass bald es dich in Irrtum brächte

Durch Eigensinn und Eigenlieb`;

Maria frag um guten Rat!

 

Sie ist die Eine, - voll der Gnaden,

Ist Mutter, Mittlerin der Welt,

Sie ist von Gott auf dunklen Pfaden

Als lichter Stern für uns gestellt;

Der Leuchtturm, der im Lebensmeere

Uns armen Schiffern weist zum Port.

Nur diese frag`, auf diese höre,

Dann fährst du wohl; - für hier und dort

Maria nur hat guten Rat!

 

O Mutter mit dem Himmelskinde,

Zu deinen Füßen sieh` mich hier;

Weil nirgends rechten Rat ich finde,

So such` ich einzig ihn bei dir!

Rat` mir im Leben wie im Sterben,

In Lieb und Leid, in Glück und Schmerz,

So wird` ich einst den Himmel erben,

Wo ewig preisen soll mein Herz

Maria dich vom guten Rat!

 

C. Wöhler