Meines Heilands kostbar Blut

 

Seh ich Deine bitt´ren Leiden,

Deine Wangen sterbensblass,

Deiner Augen Schmerzensgluten,

Deiner Feinde grimmen Hass,

Und Dein Blut in steten Tropfen

Rinnen ohne Unterlass,

O dann wird mir weh zu Mut:

Sei mir Rettung, kostbar Blut!

 

Rinnen seh ich diesen Bronnen,

Nieder in das zarte Moos;

Ach in jenes Ölbergs Garten

War Dein Leiden gar so groß!

Und dass ich am blut´gen Angstschweiß

Schuld war, werde ich nicht los;

Siehe, meine Tränenflut:

Hab Erbarmen, kostbar Blut!

 

Schuld war, Sünder ich, an Deinem

Tode dort auf Golgatha;

Angenagelt an dem Kreuze,

O wie hilflos warst Du da!

Wie verlassen von den Deinen,

Keiner Dich zu trösten, nah´!

O wie groß der Sünder Wut

Gegen Dich, o kostbar Blut!

 

Nimmer will ich Dein vergessen!

Deine Liebe, Deine Treu´,

Sei mir in mein Herz geschrieben,

Sei mir ewig, ewig neu;

Und die Welt mit ihrem Glanze,

Sei mir eitel, eitel Spreu,

Immer sei mir höchstes Gut,

Meines Heilands kostbar Blut!

 

(Aus: Der Armen-Seelen-Freund

Heft 10, Juli 1912, 16. Jahrgang, Seite 145)