Marien-Monat

 

Maiglöcklein! läut es hell hinaus,

Mit süßem Duft von Haus zu Haus

Trag hin die frohe Kunde:

„Lenz ward es in der Runde.“

Ihr Vöglein alle kommt zu Hauf`,

Ihr Blümlein alle, blühet auf;

Ihr Quellen und ihr Flüsse,

Eilt, bringt uns Lenzesgrüße!

Blick` Sonne von des Himmels Höhe

Hernieder, leuchtend, hell und schön,

Dass uns`re Welt, die arme,

An deinem Strahl erwarme! –

Wach auf du schlummernd Menschenherz!

Für dich auch kann`s trotz Leid und Schmerz

Auf dieser kalten Erden

Noch einmal Frühling werden.

Bleicht auch dein Haupt des Winters Schnee,

Erstarrte, wie im Frost, in Weh`

Dein Herz, in Nacht und Sünde,

Hör` an, was ich dir künde:

Mai ist es jetzt und fröhlich sind

Die Herzen alle. - - Menschenkind!

Sieh`, allwärts mag sich`s regen

Von reichem Frühlingssegen. –

Du weißt es ja und jeder weiß,

Zu wessen Ehre, Ruhm und Preis

Die Maienglöcklein läuten

Jetzt und zu allen Zeiten;

Wem sie wohl jubeln, fein und zart,

Die Vöglein all` nach ihrer Art;

Wem duftend sie erglühen

Die Blumen, die da blühen;

Wem heut sie leuchten, licht und schön,

Sonn`, Mond und Stern auf Himmelshöh`n,

Und wen` sie flüsternd grüßen

Die Wellen, die da fließen.

Weißt wem, so weit der Himmel blaut,

Man heute Prachtaltäre baut,

Wem tausend Kerzen brennen, –

Wen tausend Lippen nennen? –

Vom Dörfchen bis zum hohen Rom,

Vom Kirchleit bis zum stolzen Dom

In tausendfachen Weisen

Hörst du sie heute preisen:

Maria! Maienkönigin!

Der Welt und Engel Herrscherin,

Du Holde, Wundersüße,

Dir gelten uns`re Grüße!

Wohlan, was zögerst du so lang?

Was harrst, o Menschenherz, so bang,

Wo du schon ohn` Verweilen

Zu ihr doch solltest eilen?

Geh` hin und ruf` trotz Leid und Wahn

Vertraulich ihren Namen an;

Ihr kannst du alles sagen –

Dein Weh. Ihr kannst du`s klagen. –

Geh` hin, wirf dich in Lieb` und Reu`

Zu ihren Füßen heut aufs neu,

Bitt sie, dich rein zu baden

Im Wunderquell der Gnaden.

Dann öffne ihr das Herze weit

Der Königin der Herrlichkeit,

In Liebe sie zu schauen

Die Herrscherin der Frauen,

Die Bittende vor Gottes Thron,

Die Mittlerin bei ihrem Sohn,

Dass sie zu dir sich wende,

Dir ihren Segen spende.

O! dann wird froh in deiner Brust

Auch Lenzesodem, Lenzeslust –

Nach Frost und Nacht sich regen

Mit tausendfachem Segen.