Maria sucht ihre Kinder

 

(Franz Eichert, „Der Königin Banner“)

 

Ein Fußtritt rauscht, ein Mantel streift

Die Todesrosen, die roten;

Ein letztes goldnes Leuchten schweift

Um die einsamen Wunden und Toten.

Die Donner der Schlacht vergrollen weit,

Nun weht übers Feld ein linder,

Ein tröstender Hauch und stillt alles Leid:

Maria sucht ihre Kinder!

 

Da liegt ein Krieger, ein halbes Kind,

Ihm leuchtet von bleichen Wangen

Der Mutter Segen – er träumt und sinnt,

Da kommt Maria gegangen.

Sie sieht ihr Bild an der reinen Brust,

Sie neigt sich und grüßt das Zeichen –

Da jauchzt er: „Mutter!“ – Voll seliger Lust

Sinkt er ins Gras zu den Bleichen.

 

Und weiter schreitet Maria sacht

Und wandelt des Schlachtfelds Schrecken

In himmlischen Frieden und sendet die Nacht,

Die Müden, die Müden zu decken.

Sie neigt sich da und sie neigt sich dort –

Da werden die Seufzer linder

Und die Schmerzen fliehn und die Qual ist fort –

Maria holt ihre Kinder!