Mariä Vermählung

 

Wohl mancher warb um die Jungfrau rein,

Der Perlen Perle im lichten Schein.

 

Da rief es im Tempel gar wunderbar

Aus dem Allerheiligsten laut und klar:

 

„Wer nennt entsprossen aus Juda sich,

Der tret` zum Altare demütiglich;

 

Der opfer` ein Zweiglein dürr und entlaubt:

Des Erwählten Reis dort schön sich belaubt!“

 

Wohl brachten da viele ihr Reislein hin

Und hofften harrend; doch ward es nicht grün.

 

„Und wäre denn keiner des Volkes wert,

Zu führen die Jungfrau zum stillen Herd?“

 

Da tönte von neuem die Stimme des Herrn:

„Noch Josef weilet in Bethlehem fern!“

 

Wohl hat er die Zarte, die Keusche geminnt;

Doch mied er den Tempel gar schüchtern gesinnt.

 

Nun trug er schaudernd den dürren Zweig. –

Doch sieh, er trieb Blätter und Blüten so reich!

 

Aus des Tempels Höhen auch senket sich klar

Eine schneeige Taube auf Josefs Haar;

 

Im Volk aber wurd` eine Stimme laut:

„Er ist`s, der da wert ist der holden Braut!“