Mariä Verkündigung

 

Was künden heut die Glocken doch

So hell in alle Weite?

Nie klang ihr Ton so fröhlich noch,

So festlich voll wie heute!

Dem Himmel und dem Weltenall

Erzählen sie mit Jubelschall

Die Botschaft, reich an Ehren,

Die einst der Engel der gebracht,

Die sollte durch des Geistes Macht –

Empfangen und gebären.

 

Ave Maria, sei froh uns gegrüßt,

Jungfräulich Herz, draus der Heiland und sprießt!

Du voll der Gnaden, wie keine allhier, -

Himmel und Erde, sie huldigen dir!

 

Er schwebt ins stille Kämmerlein

Mit strahlend goldnen Schwingen:

„Dir – gnadenvoll, wie keine rein, -“

Soll Gottes Gruß ich bringen!

Gott ist mit dir! – gebenedeit

Bist du aus allen weit und breit; -

Drum fürchte nicht, du Hehre, -

Empfangen wirst du einen Sohn;

Sein ist das Reich und sein der Thron,

Ein König er der Ehre!“

 

Ave Maria, sei froh uns gegrüßt,

Jungfräulich Herz, draus der Segen uns fließt! –

Engel und Menschen, - was atmet und lebt, -

Alles mit Freuden die Jungfrau erhebt.

 

Und als Maria bang gefragt:

„Wie mag denn das geschehen,

Da doch ich jedem Mann entsagt?“ –

Da sprach von Himmelshöhen

Der Bote: „Sieh, des Höchsten Kraft,

Der heilge Geist, dies Wunder schafft;

Er wird dich ganz umhüllen!

Drum ist dein Kind auch Gottes Sohn;

Gott, der da herrscht auf höchstem Thron,

Kann alles leicht erfüllen!“

 

Ave Maria, sei froh uns gegrüßt,

Jungfräulich Herz, das uns alles versüßt!

Du, unsre Wonne im Weh dieser Welt,

Du, unsre Sonne, die alles erhält!

 

„Wohlan, ich bin des Höchsten Magd,

Geschehen mög sein Wille!“

So hat die Jungfrau fromm gesagt

Aus ihres Herzens Fülle.

Und sieh, das Wunder war vollbracht!

Denn nieder aus des Himmels Pracht

Stieg Gott auf diese Erde. –

Mariens Herz – als güldner Schrein –

Neun Monde schloss es still ihn ein,

Bis Fleisch das Wort dann werde.

 

Ave Maria, sei froh uns gegrüßt,

Jungfräulich Herz, das den Himmel umschließt!

Dir, - deinem reinsten, jungfräulichen Blut

Dankt ja die Welt ihr hochheiligstes Gut!

 

Dies künden noch Tag aus, Tag ein

Die Glocken rings auf Erden;

Beim Engelsgruß spricht Groß und Klein:

„Das Wort kam Fleisch zu werden!“

Und dankbar senkt sich jedes Knie,

Und jedes Herz grüßt freudig sie,

Die heut das Wort empfangen, -

Die es gebar zur heilgen Nacht

Und so der ganzen Welt gebracht

Der Völker heiß Verlangen.

 

Ave Maria, sei froh uns gegrüßt,

Jungfräulich Herz, das den Einen umschließt,

Der uns erkauft durch sein heiligstes Blut,

Das er vergoss uns Sündern zu gut!

 

Du hohe und vieledle Frau,

Du Lilie ohne gleichen;

Du Rose hold auf Sarons Au, -

Wer kann dein Lob erreichen? –

So oft der Glocke Ton erschallt,

So oft das Blut im Herzen wallt,

Soll unser Mund dich grüßen;

Und dieser Gruß zu deiner Ehr,

Er soll verstummen nimmermehr,

Soll erst im Tode schließen!

 

Ave Maria! im Himmelreich dort

Setzen den Gruß dann der Liebe wir fort;

Jungfräulich Herz, lass es mildreich geschehn,

Dass wir mit Freuden dein Antlitz dann sehn!

Ave Maria!