Hilferuf der Armen Seelen im Fegfeuer

 

Es flehen um Erbarmen

Die Ärmsten der Armen,

Die leidenden Seelen im Reinigungsort:

Gedenkt unsrer Schmerzen

Ihr christlichen Herzen

Und schenket uns geistliche Almosen dort.

 

O wollet beachten,

Wie sehr wir hier schmachten

In Jammer und Elend und bitterer Not;

Und was ist wohl stärker

Im feurigen Kerker

Als unser Verlangen: die Sehnsucht nach Gott?

 

Im heißen Verlangen

Nach Gott sind gefangen

Die leidenden Seelen im Abgrund der Pein.

Gerechtigkeit waltet

Alldort, und sie schaltet,

Bis dass wir geläutert sind, fleckenlos rein.

 

Nach Gott wir uns sehnen,

Nach ihm, jenem schönen,

Erhabenen Urquell der himmlischen Freud´.

Die Trennung erdulden

Durch eignes Verschulden,

Das fasst keine Seele im sterblichen Kleid.

 

Ihr Pilger im Staube,

Belebet den Glauben

Zu Werken der Liebe für unsere Ruh!

Gebete uns sendet

Barmherzigkeit und wendet

Die Früchte des kostbaren Blutes uns zu.

 

Vom kostbaren Blute

Erlöschen die Gluten

Des feurigen Kerkers, es schwindet die Schuld.

Zum Himmelsgestade,

Zum Hafen der Gnade

Führt uns diese Strömung der göttlichen Huld.

 

In sie wollet lenken

Die Opfergeschenke,

Sie nahen sich uns wie ein rettender Kahn;

Der uns führt vom Strande

Zum himmlischen Lande,

Wodurch wir der Anschauung Gottes uns nah´n.